Architekten bieten wieder Fachvorträge und Beratung für Bauherren auf der Messe HAUS 2017 in Dresden an

Ruairí O’Brien, Vorstand und Vorsitzender Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit, begrüßte die Teilnehmer des Messerundganges am Stand der Architektenkammer Sachsen

Vom 2. bis 5. März präsentiert sich die Architektenkammer Sachsen auf der Messe HAUS 2017 wie gewohnt auf dem Podium 1 via mobile, um die Leistungsbilder der Architekten einem interessierten Publikum vorzustellen. Traditionell wurde auch in diesem Jahr ein umfangreiches Vortragsprogramm rund ums Planen und Bauen zusammengestellt. Erstmals gibt es auf unserem Stand Vorträge zum Thema „Baugemeinschaften“ mit aktuellen, regionalen Beispielen. Verstärkt wird das Team der Architektenkammer zudem durch das Angebot der Vermessungsingenieure, die rund um die Themen „Richtig vermessen, planungssicher gebaut!“ informieren.

Neben den informativen Vorträgen erhalten Bauinteressenten, Bauherren sowie Haus- und Wohnungseigentümer über den gesamten Messezeitraum eine kostenfreie und individuelle Erstberatung. Mit fast 3.000 Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplanern in Sachsen bieten die Mitglieder der Architektenkammer Sachsen ein hohes Potential an Fachwissen. Die Experten stehen den Messebesuchern Rede und Antwort und geben wertvolle Tipps.

Das Gesamtprogramm finden Sie unter: http://www.aksachsen.org/index.php?id=8105

Eine Entgegnung von Holger Just, Freier Architekt Dresden, zum Artikel „Bessere Architektur und billigere Mieten? Der Architekt Jens Zander Im DNN-Interview über Debattenkultur und DDR-Moderne“ von Thomas Baumann-Hartwig (Printausgabe 1. Februar)

Der Dresdener Architekt Jens Zander hat am 31.01.2017 (Online) im DNN-Interview gesagt: Eigentlich müsste man dafür kämpfen, dass die Mieten auch mal etwas steigen.“

Ich kann versichern, dass die Mehrheit der Dresdener Architekten nicht für höhere Mieten kämpft, sondern um kostenbewusste Architekturqualität im Wohnungsbau ringt. Es besteht nach meiner Kenntnis kein signifikanter kausaler Zusammenhang zwischen hohen Mieten und Architekturqualität. Auch die Behauptung von Jens Zander, die öffentliche Hand sei nicht dafür bekannt, schnell und günstig zu bauen, ist nur neoliberaler Populismus, von dem wir uns in dieser Stadt endlich einmal befreien sollten.

So war es beispielweise die mieterorientierte Johannstädter Wohnungsgenossenschaft, die Ende 2016 am großen Garten (Tiergartenstraße / Franz-List-Straße) eine der architektonisch besten und solidesten Wohnanlagen der letzten Jahre eingeweiht hat, getragen von ihrer genossenschaftlichen Philosophie, nachhaltigem wirtschaftlichem Denken und geplant von engagierten Architektenkollegen. Ein aufmerksamer Spaziergang durch Dresden oder ein Blick in den Immobilienteil der Zeitungen zeigt aber auch das genaue Gegenteil: Eine Vielzahl teuer zum Verkauf angebotener Billigprojekte der privaten gewerblichen Bauträger.

Dresden wächst, und das ist gut so. Die Folge ist jedoch ein angespannter Wohnungsmarkt, auf dem günstige Wohnungen rar werden. Die Mehrzahl der Dresdener benötigt Wohnraum, den sie aufgrund ihrer Einkommensverhältnisse auch bezahlen kann. Nach den Ermittlungen des Verbands der sächsischen Wohnungswirtschaft liegt die leistbare monatliche Kaltmieten-Obergrenze für mittlere Einkommensschichten im Raum Dresden bei ca. 8,00€ bis 8,50€ pro Quadratmeter Wohnungsfläche. Diesen Wert legte auch Bundesbauministerin Barbara Hendricks ihrem bislang gescheiterten Wohnungsbauprogramm zugrunde – beileibe kein Sozialwohnungsbau-Revival.

Aufgrund der Untersuchungen der letzten Jahre ist erwiesen: Es ist egal wer baut, öffentliche Hand oder Privater; die Kern-Kosten für eine kostenbewusste Wohnanlage größeren Zuschnitts liegen aktuell im Bundesdurchschnitt bei etwa 2.200€ pro Quadratmeter Wohnfläche – einschließlich der Planung! Für den Weiterverkaufspreis – ganz gleich ob zur Miete oder zum Eigentumserwerb – ist jedoch diese baubedingten Kosten der Einkaufspreis des Grundstücks (der Anteil kann in Dresden aktuell bis ca. 400€/m² Wohnfläche und mehr betragen) und die Gewinnmarge des Investors zu addieren. So kommen Durchschnittspreise von 3.000€/m² zustande. (Dafür müsste ein Anleger/Investor ca. 15€/m² Kaltmiete vom Mieter verlangen, wenn er 5-6% Rendite erzielen wollte – kommt eine Kreditfinanzierung mit Zinsen und Tilgung hinzu, entstehen sofort illusorische „Mondpreise“.)

Für die Refinanzierung einer Wohnung ist es letztlich entscheidend, welche Kosten zu den Kernkosten noch hinzukommen. Das Geschäft der Privaten ist daher der Verkauf von Wohneigentum. Nur die öffentliche Hand, kann auf städtischen Grundstücken ohne Gewinnerzielungsabsicht Mietwohnungsbautenn errichten und zu niedrigeren Preisen vermieten. Wozu bestenfalls noch die vom Land Sachsen geplanten Miet-Zuschüsse verwendet werden müssen, um im Mietsegment überhaupt in die Regionen des bezahlbaren Wohnraums zu kommen. Diese leistungsfähige öffentliche Hand haben wir uns 2006 mit dem Verkauf der Dresdener WOBA abgeschlagen. Das sollten wir uns immer wieder klar machen.

„Das Bekannte ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt“ – sagt der Philosoph Friedrich-Wilhelm Hegel!

(Veröffentlicht als Leserkommentar in der DNN, Printausgabe 4./5. Februar 2017)

Zum Interview: http://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Wir-sollten-fuer-etwas-hoehere-Mieten-kaempfen

 

Winterschau 2017: architekturgebundene freiheit – eine Ausstellung von Valérie Madoka Naito und Jens Besser

Die Winterschau im Haus der Architekten präsentiert 2017 Werke der Dresdner Architektin und Dokumentarfilmkünstlerin Valérie Madoka Naito und des Dresdner Wandzeichners Jens Besser. Unter dem Titel architekturgebundene freiheit werden ortsspezifische Werke, Fotografien und Filme gezeigt.
PortrŠt von DokumentarfilmkŸünstlerin Valerie Madoka Naito in Leipzig. (13.07.2016) Foto: Andre Kempner

PortrŠät von DokumentarfilmkŸünstlerin Valerie Madoka Naito in Leipzig. (13.07.2016) Foto: Andre Kempner

Valérie Madoka Naito arbeitet bundesweit als Architektin in der Projektsteuerung nachhaltiger Wohnungsbauprojekte und Dokumentarfilmkünstlerin. Im Rahmen der Winterschau sind ihre Dokumentarfilme, Fotografien und plastische Rauminterventionen zu sehen.

Ihr gerade fertig gestellter Experimentalfilm „aufrecht stehen“ zeigt die Entstehung eines großen Gemäldes, das sieben Männer darstellt, die Opfer der klassenkämpferischen Brutalität der frühen DDR an der Universität Leipzig waren. Ein Opfer war Erich Loest, der damals aufrecht stand für Demokratie, freie Rede und Menschenrechte. Zu sehen ist die Übergabe des Gemäldes an die Universität Leipzig als Leihgabe der Stiftung Friedliche Revolution. Zu sehen sind auch die Akteure im Hintergrund, denen die Erleichterung über die erfolgreiche Übergabe aber auch das neun Jahre andauernde Hin und Her ins Gesicht geschrieben stehen – und die Enttäuschung, das Erich Loest, als Auftraggeber des Gemäldes, diesen Moment nicht mehr erleben konnte.

Jens Besser Foto von Sven Ellger (2016)

Jens Besser Foto von Sven Ellger (2016)

Jens Besser ist in Dresden und weit über die Stadtgrenzen Dresdens für seine großformatigen Wandbilder bekannt. Besser realisiert weltweit Wandbilder im öffentlichen Raum. Seine Werke variieren weniger in Farben – oft nutzt Besser schlichte, dunkle Hintergründe als Untergrund für weiße Zeichnungen. Umso mehr variieren seine Werke in Formaten und Techniken. Besser zeichnet auf Fassaden mit Sprühdose, Farbrolle, Pinsel und Ölkreide, er ritzt in Wände mit Schrauben, Winkelschleifer oder Nägel. Die Formate verändern sich je nach Architektur – von 1 m x 2 m bis 2 x 6 m x 25 m. In der Ausstellung werden ortsgebundene Zeichnungen, Fotografien von Werken im Außenraum und eine Installation zu sehen sein. Besser lebt und arbeitet in Dresden. 

Die Ausstellung wird am 12. Januar 2017, 18:00 Uhr eröffnet.
Zur Vernissage spricht Dr. Jördis Lademann.

Während des Ausstellungszeitraums werden sowohl Naito als auch Besser Werke an Präsentationsabenden vorstellen. Die Ausstellung läuft bis 24. Februar 2017 und ist während der Öffnungszeiten des Hauses der Architekten zu besichtigen.

ECKDATEN:
Pressetermin Vor Ort : 10.01.2017, 10 Uhr, DIE KÜNSTLER SIND DEN GANZEN TAG ANWESEND.
Vernissage: 12.01.2017 um 18 Uhr 

Laufzeit der Ausstellung: 12.01.2017 – 24.02.2017 
Öffnungszeiten Mo – Fr 8:30 – 16:00 Uhr sowie nach Vereinbarung
Katalogpräsentation Jens Besser: 16.02.2017, 19 Uhr
Filmabend mit Valérie Madoka Naito : 23.02.2017, 19 Uhr

Adresse: Haus der Architekten, Goetheallee 37, 01309 Dresden

Links zu Jens Besser: jensbesser.blogspot.dewww.flickr.com/photos/jensbesser/
Links zu Valérie Madoka Naito: 
www.naito.eu

Wettbewerb „Wohnen am Hutholz“ in Chemnitz entschieden

von Oliver Stolzenberg

Die Aufgabe des von der Wohnungsgenossenschaft „Einheit“ eG Chemnitz ausgelobten Einadungswettbewerbs mit 17 Teilnehmern bestand im Entwurf einer Wohnanlage mit ungefähr fünfzig Wohnungen und den dazugehörigen PKW-Stellplätzen. Das Baugrundstück, am südwestlichen Stadtrand von Chemnitz gelegen, ist Teil des letzten Ausläufers des ausgedehnten Plattenbaugebiets „Fritz-Heckert“. Nach der Wende wurde hier vieles saniert, um- und rückgebaut und teilweise auch abgerissen. Die Schwierigkeit bestand darin, eine Bauform zu finden, die zwischen in die aus 2-3-geschossigen Häuserzeilen und 6-geschossigen Punkthäusern bestehenden heterogenen Nachbarschaft passt, Blicke in die weite Landschaft nach Nordwesten erlaubt und den durchgrünten Charakter des Gebiets erhält. Nach Auffassung der Jury unter Vorsitz von Carl Herwarth von Bittenfeld hat das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Büro von Carsten Otto und Christian Müller aus Dresden diese Aufgabe besonders gut umgesetzt. Die drei polygonalen Baukörper, die im Grundriss einem Stern mit stumpfen Spitzen ähneln, organisieren sich um ein mittiges Treppenatrium mit Oberlicht und fügen sich in ihrer Geschossigkeit gut in das Umfeld ein. Einen ähnlichen städtebaulichen Ansatz verfolgte das zweitplatzierte Büro, Euen, Wolf und Winter aus Gera, mit einer aufgelockerten kubischen Bauweise, während der dritte Preisträger, rohdecan Architekten/Dresden, die Gebäude straßenbegleitend um eine zentrale grüne Mitte organisierte und damit den bestehenden Städtebau auf einfache und selbstverständliche Weise zu einem Abschluss brachte.

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Modellfoto erster Preis (Foto: O. Stolzenberg)

WGE modell 1001
Modellfoto zweiter Preis (Foto: O. Stolzenberg)

WGE modell 1009
Modellfoto dritter Preis (Foto: O. Stolzenberg)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag der Architektur – Das Hochhaus und Einkaufszentrum am Albertplatz in Dresden

Am 27. und 28. Juni fand der deutschlandweite Tag der Architektur statt. In Sachsen haben in diesem Jahr bereits zum 20. Mal die Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Stadtplaner eingeladen, interessante Objekte zu besichtigen und miteinander ins Gespräch über Baukultur zu kommen. Passend zum Motto „Architektur hat Bestand“ haben wir mit dem Architekten, Stephan Hänel, über sein zum Tag der Architektur geöffnetes Objekt „Hochhaus und Einkaufszentrum am Albertplatz in Dresden“ gesprochen.

Herr Hänel, das Objekt am Albertplatz besteht aus verschiedenen Teilen. Können Sie uns eingangs kurz beschreiben, was alles entsteht?
haenelfurkertarchitekten_AnsichtAntonstraße_13x18Das Bauvorhaben umfasst gleichzeitig Umbau, Sanierung und Neubau. Das denkmalgeschützte Stahlbeton-Hochhaus von 1928 wird für die Laden- und Büronutzung saniert. Neben der denkmalgerechten Sanierung der Gebäudehülle bei Teilabbruch der Seitenflügel und dem mietergerechten Ausbau des Hochhauses muss die Umsetzung statischer Maßnahmen zur Gebäudestabilisierung erfolgen. Daneben erfolgt der Neubau eines Einkaufszentrums in Stahlbetonfertigteilbauweise. Hier entstehen zwei Vollgeschosse mit eine Gesamtnutzfläche von ca. 9300 m2 für Einkaufsmärkte, Läden und Gewerbeflächen. In zwei Untergeschossen wird eine Tiefgarage eingeordnet.
Der diesjährige Tag der Architektur hat das Motto „Architektur hat Bestand“. Auch um das Bestehen des Hochhauses am Albertplatz wurde in den letzten Jahren viel gerungen. Ist die nun gefundene Lösung für Sie persönlich eine gelungene Symbiose aus Erhaltung des Bestandes und moderner Architektur?
Das Hochhaus als Dominante, das Einkaufszentrum lagerhaft in etwa in der Höhe der umgebenden Villenbebauung und gegliedert in straßenseitige Kuben die den Rhythmus aufnehmen, empfinde ich als adäquate Antwort auf die vorgefundene Situation. In dieser Gesamtkomposition ist es auch schlüssig, dass die Seitenflügel des Hochhauses bis auf das 2. OG teilabgebrochen werden, da der in den 1920er Jahren verfolgte städtebauliche Ansatz einer kompakten vier- bis fünfgeschossigen Bebauung auf der Antonstraße Nordseite und Königsbrücker Westseite nicht weiterverfolgt wurde, und heute das Thema des Grünrings Übergang Innere – Äußere Neustadt neu interpretiert wird. Das Hochhaus kommt als Solitär so jetzt prägnanter zur Wirkung als in der vormaligen Einbindung. Dabei wird das Hochhaus nach der Sanierung entsprechend denkmalpflegerischen Gutachten eine helle warmweiße Putzoberfläche erhalten. Daran orientiert sind die Kuben ebenfalls in hellen warmen Farbtönen gehalten, die sich leicht abgetönt gegenüber dem Hochhaus absetzen. Die Oberfläche ist feinteilig gegliedert und strukturiert.
Wo sehen Sie die Schwerpunkte bei der Sanierung des Hochhauses?
Bei der Sanierung das Hochhauses galt es, das denkmalgeschützte Gebäude so zu ertüchtigen, dass es heutigen Nutzungsanforderungen gerecht wird, und somit der Erhalt des Denkmals für die nächsten Jahrzehnte gesichert wird. Parallel ist der Denkmalcharakter insbesondere in der äußeren Wirkung zu bewahren. Neben der statischen Ertüchtigung sind bei der Sanierung insbesondere die aktuellen Forderungen des Brand- und Schallschutzes an ein Hochhaus umzusetzen. Dafür wurden in einer längeren Konzept- und Planungsphase Lösungen gefunden, die nach Abstimmungen mit den zuständigen Behörden umgesetzt wurden. Bei der Aussenhülle lag auf der Basis von restauratorischen und bauphysikalischen Gutachten der Fokus darauf, die Anforderungen an Mindestwärmedämmung und Schallschutz bei der Fenstergestaltung sowie Putzauswahl und Farbigkeit mit den denkmalpflegerischen und stadträumlichen Aspekten in Einklang zu bringen.

Ursprünglich enthielten die Entwürfe mehr Grün. Darauf wird aus praktischen Gründen verzichtet. Wie gelingt es trotzdem eine angenehme Einkaufsatmosphäre und die Anbindung an den umliegenden Stadtraum zu schaffen?
Die im städtebaulichen Bebauungsplan entwickelte Grundform mit den straßenseitig gliedernden Kuben vor dem Grundbauköper wird in unserem Entwurf architektonisch untersetzt und gestärkt. Die vorspringenden Kuben haben eine dezent lebendige Keramikfassade in Elfenbein bis Ocker – Grautönen erhalten. Sie nehmen die aktive Rolle ein und stehen im Bezug zu den umgebenden Würfelhäusern und Stadtvillen sowie farblich zum Hochhaus. DSC_0115_AusschnittDiese Fassadenflächen werden in einem Rhythmus aus vertikalen Stäben und farbig changierenden Keramikflächen bekleidet. So entsteht auf der Fassadenfläche ein dezentes aber lebendiges Spiel der Farbtöne. Die Zwischenflächen werden dagegen mit einer Glas-Aluminium-Fassade in braun-grauer Tönung zurückhaltend gestaltet. Zusätzliche Baumpflanzungen und Grünflächen vor diesen Fassaden und auf dem zentralen Vorplatz nehmen das Thema der historischen Vorgärten auf und integrieren die Durchgrünung so in den Entwurf. Große verglaste Flächen im Erd- als auch Obergeschoss schaffen Einblicke in die anspruchsvoll gestaltete Verkaufswelt und laden so zu Nutzung und Einkauf ein. Dabei ist auch die Gestaltung des Vorplatzes vor dem zentralen Haupteingang an der Antonstraße zu erwähnen, der mit zwei Baumreihen bepflanzt wird, ein Imbissangebot mit Sitzmöglichkeiten erhält und auch die historische Pyramide des artesischen Brunnens mit einbezieht. Damit der Brunnen gut in der Öffentlichkeit wirksam wird, erhält dieser Kubus überhöhte Öffnungen. Die so entstehende Stadtloggia wird Teil des öffentlichen Raumes.

Nun ist man bei jedem Projekt für die Umsetzung seiner Ideen auf ein gutes Miteinander mit allen Beteiligten angewiesen und im Idealfall bilden der Architekt und der Bauherr ein Team. Bei diesem Projekt scheint das im Großen und Ganzen gut zu klappen, auch wenn im Moment der Zeitdruck natürlich enorm ist. Wie gelingt eine gute Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr am besten?
Es finden regelmäßig Besprechungen mit dem Bauherrn, dem Projektsteuerer und allen anderen am Bau Beteiligten zu den aktuellen Themen statt. In der Endphase ist täglich ein Mitarbeiter aus unserem Büro auf der Baustelle um aktuell anstehende Fragen zu klären. Ein Plus für die Zusammenarbeit ist, dass von Bauherrenseite von Anfang Wert auf eine qualitätsvolle Wirkung der Architektur in der äußeren Wirkung sowie im Innenraum gelegt wurde. Ergänzend war dabei wichtig, dass in Abstimmung mit dem Bauherren neben den technischen Ämtern der regelmäßige und frühzeitige Dialog mit der Stadtplanung und der Denkmalpflege erfolgte. Die Fassade wurde zum Beispiel über eine Variantenuntersuchung in Abstimmung mit Ämtern und Behörden entwickelt. Wir haben jetzt eine gute Übereinstimmung des realisierten Gebäudes mit den Visualisierungen.

Die Baustelle kann zum Tag der Architektur am 27. Juni, 13:30 und 15:00 Uhr im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Warum beteiligen Sie sich am Tag der Architektur und was erwartet die Besucher?
DSC_0089_Auschnitt
Der Tag der Architektur bietet uns die Gelegenheit, das Büro der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir können neu Entstandenes zeigen und dieses gleichzeitig mit den Besuchern kommunizieren. Der Besucher ist beim Tag der Architektur nicht nur Vorbeifahrender oder Nutzer, sondern er kann tiefer in das Gebäude blicken, mit uns in den Dialog treten und Fragen, die in ihm brodeln vor Ort stellen. Durch diesen Austausch verschiedener Meinungen und Auffassungen, sowohl positiver Art als auch durch das Infragestellen von Entwurfsaspekten, haben wir Architekten die Möglichkeit den Entwurf und dessen Rahmenbedingungen, zu erläutern. Positiv ist es, wenn sich unser Entwurf dem Besucher dadurch noch besser erschließt. Im Gegenzug kann der Austausch zu konstruktiven Anregungen für kommende Projekte führen. Wichtig ist es auch, dass neue Architektur eine Öffentlichkeit bekommt. Das gelingt am Tag der Architektur besonders gut.

Zur Geschichte des Hochhauses am Albertplatz
Der private Bauherr, Regierungsrat Dr. Alfred Hesse, wollte auf dem Grundstück im Zentrum der Dresdner Neustadt (Ecke Antonstraße/Königsbrücker Straße) ursprünglich eine ortstypische Eckbebauung mit Gewerbe- und Wohnnutzung in fünf Geschossen errichten lassen. Stattdessen entstand nach mehreren Umplanungen 1929 Dresdens erstes Hochhaus mit elf Stockwerken und 37 Metern Höhe. Der kraftvolle, stabile Stahlbeton-Skelettbau wurde von Hermann Paulick entworfen und das fertig gestellte Gebäude bis 1945 als reines Verwaltungsgebäude von der Sächsischen Staatsbank genutzt. Dank seiner stabilen Bauweise überstand das Hochhaus 1945 den Bombenangriff. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Dresdner Verkehrsbetriebe hier ihr Domizil. In den 1980er Jahren wurde das Hochhaus unter Denkmalschutz gestellt. Ab 1996 stand es fast 20 Jahre leer, obwohl es immer wieder diverse Umbauvarianten dafür gab. Seit 2013 wird es endlich saniert und mit Anbauten für ein Einkaufszentrum ausgebaut. Die Simmel Dresden GmbH investiert insgesamt 30 Millionen Euro. Betreut wird das Projekt am Albertplatz, das im dritten Quartal 2015 fertig gestellt werden soll, von dem Dresdner Architekturbüro hänel furkert architekten, Partnerschaft.

 

Architektenkammer Sachsen setzt sich für Titelschutz ein – Bezeichnung „Architektur und Bauen“ ohne Eintrag in der Architektenliste wettbewerbswidrig

Das neue Sächsische Architektengesetz ermöglicht es der Architektenkammer gegen die missbräuchliche Verwendung der Berufsbezeichnungen „Architekt“, „Innenarchitekt“, Landschaftsarchitekt “ und „Stadtplaner“ vorzugehen. Gemäß § 1 Abs. 3 SächsArchG dürfen Wortverbindungen mit den genannten Berufsbezeichnungen oder ähnliche Bezeichnungen, die im Rechtsverkehr zu Verwechslungen führen könnten, nicht verwendet werden, sofern ein Eintrag in der Architektenliste nicht vorliegt. Aufgrund dieser Vorschrift beanstandete die Architektenkammer Sachsen über die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs Frankfurt Main e.V. die firmenmäßige Verwendung der Bezeichnung „Architektur und Bauen“. Der Verwender dieser Bezeichnung ist ein Dipl.-Ing. mit Sitz im Freisaat Sachsen, der im Wesentlichen Leistungen auf dem Gebiet der Planung, Vergabe und Bauleitung von Bauvorhaben anbietet. Er ist kein Architekt und als solcher nicht in die Architektenliste der Kammer eingetragen.

Trotz Aufforderung gab der Betroffene eine Unterlassungserklärung, mit der er sich verpflichtet, diese Bezeichnung im Rechtsverkehr nicht mehr zu verwenden, nicht ab. Auf eine entsprechende Unterlassungsklage verurteilte das Landgericht Leipzig den Betroffenen, es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr die firmenmäßige Bezeichnung „Architektur und Bauen“ zu verwenden, ohne in der Architektenliste bei der zuständigen Architektenkammer eingetragen zu sein. Das Urteil (Az. 05 O 2580/14) ist rechtskräftig.

Die Architektenkammer Sachsen wird sich zukünftig verstärkt gegen derartiges wettbewerbswidriges Verhalten und die missbräuchliche Verwendung der Berufsbezeichnung einsetzen.

Beste Grüße,
Ihre Jana Frommhold
Geschäftsführerin AKS

Architektenkammer Sachsen setzt sich für Wettbewerbe ein – Durchführung von Verfahren nach RPW 2013 gefordert!

Liebe Mitglieder,

die Architektenkammer Sachsen setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Wettbewerbsverfahren nach der Wettbewerbsrichtlinie RPW 2013 durchgeführt werden.

Ende des Jahres 2014 sind der Architektenkammer gleich zwei Verfahren bekannt geworden, die gegen diese Verfahrensregeln verstoßen. Die Stadt Chemnitz plant ein städtebauliches Gutachterverfahren mit nur vier ausgewählten Planungsteams durchzuführen. Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB) initiiert ein Werkstattverfahren, bei dem neben Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Leipzig konkret auch Architekten ohne Auftragsversprechen und ohne geregelte Verfahrensbedingungen „Ideen“ für zeitgemäßes und innovatives Wohnen an ausgesuchten Standorten entwickeln sollen.

In beiden Fällen wandte sich die Architektenkammer im Interesse des Berufsstandes an die Auslober und Jurymitglieder und forderte die Durchführung von Wettbewerben nach der RPW 2013 mit folgenden Argumenten:

  • klar strukturiertes und transparentes Verfahren
  • größtmögliche Lösungsvielfalt für eine Planungsaufgabe
  • Instrument der öffentlichen Vermittlung von Architektur
  • Wahrung der Baukultur
  • Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern möglich

Zudem informierte die Architektenkammer ihre Mitglieder über diese Verfahren und wies zugleich darauf hin, dass eine Beteiligung an diesem Verfahren zu einer Berufspflichtverletzung führen kann. Architekten dürfen sich nur an Wettbewerben beteiligen, deren Verfahrensregeln anerkannt sind.

Beste Grüße,
Ihre Jana Frommhold
Geschäftsführerin AKS

Neujahrsgruß des Präsidenten

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

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haben Sie sich gut erholt in der Zeit über das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel? Konnten Sie innehalten, hatten Zeit, Kraft zu schöpfen „zwischen den Jahren“, wie es manchmal noch heißt? Wir wissen nicht, was uns das neue Jahr abverlangen wird, vor welche Proben unseres Könnens es uns stellt. Doch schon jetzt läßt sich sagen, dass es mit nicht weniger als dem ganzen Einsatz getan sein wird in Familie, Beruf und Gesellschaft. Die An- und Herausforderungen, vor denen Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner stehen, egal ob freischaffend oder angestellt tätig, sind komplex und erfordernein hohes Maß an verantwortlicher Tätigkeit. In der Regel planen und bauen wir nicht auf eigene Rechnung, sondern mit dem Geld Dritter zur Erfüllung deren Wünsche und Anforderungen an Räume. Solche zum Wohnen, zum Arbeiten, zum Leben in all seinen Facetten schlechthin. Nicht weniger aber auch mit unseren Vorstellungen davon, wie diese Räume aussehen können und nach unserer Auffassung auch sollen. Eine der Herausforderungen ist es, beides in Einklang zu bringen. Und wahrscheinlich besteht gerade darin eine besondere Verantwortung. Nicht zuerst im wirtschaftlichen oder technischen Sinne, sondern im Aufbau eines wechselseitigen Verständnisses, in der Akzeptanz und letztlich im Vertrauen. Viel Arbeit also, die uns auch im neuen Jahr bleibt. Und mit jedem Projekt wieder. Haben wir da nicht schon eine der Proben unseres Könnens?

Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr Gesundheit und Kraft, allen Herausforderungen zu entsprechen, und uns allen ein kollegiales Miteinander.

Alf Furkert, Präsident

PS: Und ich freue mich auf den digitalen Austausch mit Ihnen unter http://www.blog.aksachsen.org

25 Jahre Mauerfall – 25 Jahre berufspolitisches Engagement, Winfried Sziegoleit zum 75. Geburtstag

Am 2. Oktober 2014 wurde Winfried Sziegoleit 75 Jahre alt. Als vor 25 Jahren die Mauer fiel, war er, 50-jährig, einer der Ersten, der sich aktiv um die Gründung einer Architektenkammer in Sachsen bemühte, war deren erster Präsident und ist ihr Ehrenpräsident. Alf Furkert stand damals mit fast 25 Jahren kurz vor dem Abschluss seines Studiums und erlebte das Geschehen in Dresden und Leipzig hautnah. Heute ist er der amtierende Präsident. Anlässlich dieser Jubiläen sprach Ruairí O’Brien mit beiden und mit Nina Sziegoleit im Haus der Architekten.

Teil I wurde  im Deutschen Architektenblatt, Ausgabe Ost, 10/2014 veröffentlicht.

Teil II des Interviews hier im Blog …

IMG_9750ROB: Dann komme ich zu dem Berufsbild gestern, heute, morgen. In dem Buch „Einsicht in die Notwendigkeit“ von Frank Betker werden Sie wie folgt zitiert: „Wir sollten uns an unser Durchhaltevermögen unter fachlich widrigen Verhältnissen erinnern. Die östlichen Architekten haben überhaupt keine Veranlassung, sich zu verstecken. Ein Besinnen auf Kraftreserven und besonders gewachsene Qualitäten sind nötig. Es gibt also keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und mutlos zu sein. Die östliche Architektenschaft hat eine sehr solide Ausbildungsbasis und eine Menge schlummernde Talente.“ Das ist ein tolles Statement. Das passt zum Mut machen, Erklären und Vermitteln an die Kollegen. Hat sich das heute sehr verändert? Können Sie sich noch an den Geist dieser Zeit erinnern? 

W.S.: In den Planungsbetrieben und in den mit Bauen befassten Ämtern gab es Architekten, die ihre Arbeit richtig gut gemacht haben, aber ziemlich namenlos blieben. Inden Betrieben wurden planende Abteilungen als Urheber benannt. Die Abteilungen trugen die Namen der Abteilungsleiter, so dass diese gewöhnlich in der begrenzten Öffentlichkeit als Autoren bekannt wurden. Diese Darstellungsart deckte sich nicht immer korrekt mit den geistigen Urheberschaften, höflich ausgedrückt. Ich hatte schon die Pflicht, auch aus eigenem Erleben, Selbstbewusstsein unter den Kollegen etwas mitzubefördern und Mut zu machen, sich nicht kleiner machen zu lassen.

ROB: Ich glaube wir sind heute wieder so weit, Bauherrenschaft, Politikern und Bürgern erklären zu müssen, dass Architekteneine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen. Die anhaltende „Spezialist oder Generalist“- Diskussion könnte positiv genutzt werden, um unseren Beruf zu schützen, um den Menschen zu erklären, welche Vielfalt in dieser Profession steckt und wie wichtig sie für die Baukultur und das Allgemeinwohl ist. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob wir mit den Wettbewerbs- und Vergabeverfahren zufrieden sein können, gerade angesichts der sich ausbreitenden Strategie öffentlicher Bauherren, Aufträge an Generalübernehmer zu vergeben (in der Annahme, damit einen vermeintlich leichter zu verwaltenden Planungs- und Bauprozess zu erwirken). Hier sind Architekten betroffen von der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu einer verstärkten „Institutionalisierung“ aus ökonomischen und politischen Gründen. Dabei hat jede Architekturaufgabe etwas Einzigartiges, oder nicht? Sind der Freiberufler und die Vielfalt der Baukultur in dieser Entwicklung nicht gefährdet? Herr Furkert, wie sehen Sie das? 

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A.F.: Auch ich merke bis heute, dass wir eine sehr gute Ausbildung genossen haben, welche die Berufsausübung sehr erleichtert. Beim Deutschen Architektentag 2011 in Dresden haben wir in einer überwältigenden Gemeinsamkeit berufspolitische Themen vertreten, und die Ost-West-Frage stand gar nicht mehr. 25 Jahre nach dem Wendeherbst sind wir längst beruflich angekommen. Wirtschaftliche Unterschiede bestehen und das wird auch so bleiben, dementsprechend muss man arbeiten und leben.

W.S.: Die Anforderungen an die Tätigkeit der Architekten haben sich seit damals verändert. Man musste sich an die eingeführte Rechtslage und Juristen gewöhnen und an die Rolle von Versicherungen. Und es war für manche schwierig, damit zurecht zu kommen, dass „Recht“ und „Gerechtigkeit“ nicht aus derselben Familie stammen. Vieles hat sich verkompliziert. Damals meinten wir, dass unsere Berufsausübung nicht durch unsinnige Regelungen behindert werden sollte und neue Abhängigkeiten nicht entstehen dürfen. Das halte ich für eine besonders wichtige Kammeraufgabe auf der Bundesebene.

A.F: Im BAK-Vorstand sind im Moment einige ganz große Themen in Angriff genommen worden, z. B. die Frage der gesamtschuldnerischen Haftung. Das ist ein Widerstreiten der verschiedenen Interessengruppen. Es ist aber Bewegung aufgekommen und selbst in juristischen Kreisen sieht man die einseitige Belastung der Architekten kritisch. An vielen Stellen wird heute wirtschaftlich mit härteren Bandagen gekämpft. Der Architekt hat wenige Mitstreiter und kann nicht, wie die Ärzte oder Lokführer, einfach auf die Straße gehen.

ROB: Denkmalschutz für DDR-Bauten, das ist so ein Stichwort und für Bauwerke, die auch zu Ihrer persönlichen Zeit gehören, Herr Sziegoleit.

Da gibt es deutschlandweit die Rede von Wiederaufbau und Abriss. Was haben Sie für eine Meinung dazu?

W.S.: Das ist ein ganz spezielles Thema. Es hatte und hat sich an manchen Orten und bei interessierten Kreisen eine unhistorische Sichtweise auf Bauten aus der DDR-Zeit breitgemacht, die ich nicht akzeptieren konnte oder wollte, da es sich um Dokumente einer Zeit handelt, die es wirklich gegeben hat, da es viele schützenswerte Objekte gibt, die Bestandteil einer gemeinsamen deutschen Geschichte sind, und dass man damit leben kann, um sie weiter zu benutzen und Volksvermögen zu erhalten. Da ist zum Beispiel das Ministerium für Bauwesender DDR, ein guter mit Herzblut und viel Aufwand entstandener Bau aus den sechziger Jahren, auch er wurde ein Opfer geschichtsvergessenen Renditedenkens. Dass auch schlichte Bilderstürmerei am Werke war, wurde am „Palast der Republik“ besonders deutlich, an einem Bau, der von der Bevölkerung in Besitz genommen worden war. Der musste unter Verwendung von scheinheiligen Argumenten weg. Am Ende war der durch westliche Firmen eingebaute Astbest-Spuk schuld. Ich selbst kann mich nicht beklagen. Einige Gebäude, bei denen ich Autor oder Mitautor war, sind nach der Wende unter Denkmalschutz gestellt worden, wie das Rundkino in Dresden, der Bowlingtreff und das Gewandhaus in Leipzig und auch unser mit eigenen Händen vor dem Verfall gerettetes Bauernhaus in Ostthüringen. Es ist gut, dass sich die Einstellung vieler in der Bewertung von DDR-Architektur und -Städtebau langsam positiv verändert und Denkmalschutz dafür an Wert gewonnen hat.

ROB: Sie fühlen sich der Zeit sehr nahe und können emotional verstehen, dass diese Gedanken, die im Bauwerk verwirklicht sind, geschützt werden sollten. Manchmal sind es eben Zeitdokumente, die zeigen, was geschehen konnte.

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A.F.: Ich glaube, dass sich der Blick auf die Nachkriegsmoderne in letzter Zeit wandelt, da mittlerweile auch die Verluste bewusst werden. Die Webergasse in Dresden ist einfach mal weg. Das führt zu einem Neubewertungsprozess.

ROB: Zum städtebaulichen Aspekt Leipzig – Dresden. Alles wächst, Sie sind selbst ein Teil des Wachstums, spüren Sie das? Ist das interessant, wie die Stadt erst geschrumpft ist und jetzt wieder wächst?

W.S.: Ich bin froh, dass sich die bauliche Entwicklung so vollzogen hat, wie sie ist, trotz aller ihrer Unwägbarkeiten und Macken. In Leipzig hatte ich immer die gerade noch in ihrer Qualität erkennbaren Häuser der Gründerzeit und der späteren Bauphasen angeschaut und mich gefragt, wie das alles wieder zu sich kommen soll. Ich bin eines Besseren belehrt worden – ein großer Teil wurde wieder hergestellt, fast zu gut, auf die Patina ist zu hoffen. Dass auch in Leipzig die Wiederherstellung großer Teile der Stadtstruktur gelungen ist, befriedigt mich.

ROB: Ich finde es sehr interessant, dass Sie in Insterburg in Ostpreußen geboren und aufgewachsen sind. Haben Sie das jetzt wieder besucht?

W.S.: Wir sind dort gewesen, an meinem jahrzehntelangen Sehnsuchtsort. Ich war fünf Jahre alt, als wir geflüchtet sind. In meiner Erinnerung ist es trotzdem eine sehr lange und prägende Zeit gewesen. Meine Frau und ich sind durch Insterburg gelaufen und brauchten keinen Stadtplan, um uns zu orientieren. Der Himmel über Ostpreußen ist ohnehin nicht zu vergessen. Meine ersten bewussten Wahrnehmungen über Häuser hatte ich dort angesammelt. Die Stadt war und ist geprägt durch Gründerzeitgebäude und einige Hervorbringungen der Moderne. Scharoun hat z. B. dort gebaut, dessen Name mir als Kind zuerst durch meinen Großvater bekannt wurde. Hanns Hopp, der spätere Präsident der Bauakademie der DDR, hat dort eine Schule geplant, an der zeitweise auch meine Mutter unterrichtet hat. In Insterburg hat sich einiges verändert, das Milieu hat mit dem meiner Erinnerung nicht mehr viel zu tun, aber das Wesentliche, der Stadtgrundriss, war noch völlig erhalten. Später habe ich die beginnende Identifikation der heutigen Bewohner mit dem Ort und seiner deutschen Geschichte kennengelernt.

ROB: Kann man sagen, dass Hans Scharoun auch ein Vorbildcharakter für Sie wäre oder ist das zu weit gegriffen?

W.S.: Scharoun ist einer meiner Säulenheiligen. Während meiner Studienzeit plante er die (West-)
Berliner Philharmonie, die ich für einen Geniestreich halte. Durch diese Arbeit kam er mir näher, zumal wir von ehemaligen Studenten, die für ihn arbeiteten, über die anspruchsvolle Planungs-tätigkeit informiert waren. An Scharoun hat mich die geistige Unabhängigkeit, mit der er zu Werke ging beeindruckt. Von ihm war gut zu lernen, dass jede Entwurfsaufgabe für sich ein einmaliges Ergebnis in unserem Beruf werden kann. Meine beiden anderen Säulenheiligen sind Frank Lloyd Wright, den T.C. Boyle als eine äußerst komplizierte eigenständige Persönlichkeit beschreibt, und Gottfried Böhm als große moderne Architektenpersönlichkeit.

ROB: Sehr interessant. Ich habe das Buch von T.C. Boyle auch genossen, ein spannender schwieriger Typ war Lloyd Wright bestimmt. Aber das finde ich gut, dass Sie einen Schriftsteller erwähnt haben. Denn ich habe die beiden Bücher „Die Architekten“ von Stefan Heym und „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann gelesen und wollte Sie fragen, ob man das wirklich so nehmen kann als Bild von der Zeit, die sie erlebt haben?

W.S.: Der Film „Franziska Linkerhand“ nach dem Roman von Brigitte Reimann ist zum Teil auf der Baustelle des Neuen Gewandhauses gedreht worden. Das Buch war damals für die Architekten in der DDR so besonders interessant, weil es wohl das erste Mal in der DDR-Literatur um sehr gut recherchierte Probleme des Architektendaseins ging. Das gilt grundsätzlich auch für das später erschienene Buch von Stefan Heym, der schon differenzierter und aus einer anderen Perspektive schrieb. Beide Publikationen führten beim DDR-Publikum zu einer verstärkten Wahrnehmung der Akteure unseres Berufes und ihrer Probleme.

ROB: Ein Thema habe ich noch nicht angesprochen. Unter ihren Referenzen, ihrem eigenen Werk, habe ich das Atelier- und Wohnhaus Tübke auf der Springerstraße in Leipzig entdeckt und das hat mich interessiert. Vielleicht erzählen sie etwas zu dem Projekt.

W.S.: Es war eine schöne Aufgabe. Der bedeutende und von mir sehr geschätzte Maler Werner Tübke und seine Frau besaßen in Leipzig eine Villa aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, die sie bewohnten. Tübke musste in den 80erJahren nach Fertigstellung des großen Panoramabildes zum Bauernkrieg sein Atelier verlassen. Es entstand der Plan, das Atelier im Dachraum der Villa einzurichten und gleichzeitig das gesamte Haus zu sanieren. Für das Atelier reichte die Höhe des Dachraumes nicht aus. Die konsequente Erhöhung des Dachgeschosses konnte durch einen minimalinvasiven Eingriff in die Bausubstanz erreicht werden. Die gesamte Maßnahme erfreute sich der Schirmherrschaft durch die bezirklichen Behörden, die ihrem erfolgreichen Großmaler angemessene Arbeits- und Lebensbedingungen schaffen wollten. Das Besondere der Aufgabe war, dass wir für ein sehr selbstbewusstes und weltgewandtes Bauherrenpaar zu arbeiten hatten. Die Zusammenarbeit war spannend und lehrhaft zugleich und endete sehr freundlich.

ROB: Sie fühlen sich der Kunstszene verbunden?

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W.S.: Das ist so, besonders natürlich für die Baukunst. Dieses hohe Wort wage ich aber erst zaghaft zu benutzen, seit ich Mitglied der Kl

asse „Baukunst“ der Sächsischen Akademie der Künste sein darf. In der DDR gab es zeitweilig Tendenzen, den Architekten/Entwerferberuf abzuschaffen. Das war keine Staatdoktrin, sondern kam eher aus den eigenen Reihen. Namhafte Lehrer entwickelten die Lehrmeinung, alle Möglichkeiten des Gestaltens seien bekannt und die industrielle Produktion würde in einiger Zeit alle technischen Probleme der Vorfertigung grundsätzlich gelöst haben. Ein sinnvolles Zusammenfügen wäre dann die Aufgabe von Fachleuten mit vorwiegend technologischer Vorbildung. Ich bin außerdem seit vielen Jahren im Vorstand der Kulturstiftung Leipzig und Mitglied des Stiftungsrates.

ROB: Die letzte Frage für mich wäre das Thema Generalist. Ich sehe Sie als einen Menschen, der vielen jungen Leuten, die jetzt die Uni absolvieren und in den Beruf starten, einen Rat geben kann. Diese ewige Diskussion geht immer weiter, sind wir Generalisten oder Fachspezialisten. Die Nähe der Architektur zur Literatur, Musik und Kunst zeigt, dass Sie das auch schon breiter als einen Bauberuf allein sehen. Würden sie da zum Berufsbild etwas sagen wollen? Sind wir Architekten im Geist Generalisten und wo nehmen sie ihre Inspiration her? 

W.S.: Fachspezialisten gibt es genug, auch solche, die gern Gutachten über die Arbeit anderer abgeben, ohne sich selbst ins freie Wasser wagen zu müssen. Architekten haben den Anspruch zu haben, Generalisten zu sein, mit einer Bildung von großer Breite, sie sind per se Kulturträger und sollten diese Last auch tragen. Fröhlich.

ROB: Haben sie Kurt Masur persönlich kennen gelernt, als sie in Leipzig waren? Wie war die Begegnung?

W.S.: Im Zusammenhang mit Planung und Bau des Gewandhauses kam ich zwangsläufig in Kontakt mit Kurt Masur, beginnend mit den frühen 70er Jahren. Ohne Masur wäre das Gewandhaus letztlich nicht gebaut wurden.

ROB: Wann kam die Idee mit der tollen offenen Glasfassade, die als leuchtender Kasten fungiert und den Innenraum zum Platz hin eröffnet?

W.S.: Die Öffnung zum Karl-Marx-Platz/Augustusplatz war logischer und gewollter Grundsatz aus frühen Entwurfsgedanken. Die Gewandhausplanung hatte eine einigermaßen schwierige und sehr lange Vorgeschichte, die zu erläutern hier die Zeit nicht ausreicht. Das sichtbare Gebäude von heute ist das Ergebnis vieler Bearbeitungsphasen und einiger Einflussnahmen.

ROB: Das war ein interessantes Gespräch, schöne Bilder, viel Stoff, worüber wir nachdenken können…

„Leuchtendes Labyrinth“ – Igor Faško präsentiert seine Werke – Einladung zur Finissage am 19. November, 17:00 Uhr im Haus der Architekten

Igor Fasko lädt Sie recht herzlich zur Finissage am 19. November, 17:00 Uhr ins Haus der Architekten ein. Neben der Laudatio von Matthias Zwarg, Freier Redakteur der Kulturredaktion der Freien Presse wird der Künstler selbst zu seinen Werken sprechen und Einblicke in seine Arbeit in Deutschland und in der Slowakei geben und freut sich über zahlreiche Gäste.

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