SCHULBAUKONFERENZ SACHSEN 2016

Prologtext zur Schulbaukonferenz der Architektenkammer Sachsen

Unsere Welt wird mit jedem Tag komplexer. Längst zeichnet sich ab, dass der Versuch zu verstehen, was Globalisierung für uns alle bedeutet, eines der Leitthemen des 21. Jahrhunderts ist. Unser Alltag wird durch täglich wechselnde Themen und gleichzeitig durch Dauerdiskurse bestimmt, mit denen wir uns auseinandersetzen und zu denen wir uns positionieren müssen. Ob Brexit, Pegida, Umweltprobleme, globale Ungerechtigkeit, Türkei, Trump, Grundgehalt, Digitalisierung – dies alles sind dringliche Themen, die früher oder später in unser Leben hineinwirken und für deren Existenz wir unseren Kindern und nachfolgenden Generationen Rede und Antwort stehen müssen. Rede und Antwort zumindest in dem Sinne, dass wir als Lehrende es den Lernenden ermöglichen, Ursachen und Kontexte zu verstehen und daraus eigene Positionen und mögliche Lösungsansätze zu entwickeln. Wir, damit meine ich alle prägenden sozialen Gruppen der Zivilgesellschaft, in erster Linie jedoch die Elternhäuser und die Schulen, an denen junge Menschen ausgebildet werden. Wie es gelingen kann, Menschen als selbstbestimmte Individuen und verantwortungsbewusste, empathische soziale Akteure ganzheitlich mit modernen Mitteln humanistisch zu bilden, ist ein zentrales Thema der europäischen Humanismusgeschichte und der Architektur seit der frühen Antike.

Wo immer Menschen sich versammeln – ob auf einem Marktplatz, im Park oder im Garten, in der Kirche, in Museen, Büros, in der Küche oder in einem Klassenzimmer – die Architektur und die Gestaltung von Raum haben immer Einfluss – mal mehr, mal weniger, bewusst oder unterbewusst – auf das Raumerlebnis, das Wohlgefühl und die Aufnahmefähigkeit. Psychische und geistige Auswirkungen zu belegen, erfordert einen hohen empirischen Untersuchungsaufwand. Betrachten wir also allein das physische Raumerlebnis – es ist nicht von der Hand zu weisen, dass beispielsweise Sehkomfort, Licht, Verschattung, Schall, Material und Farben eine Rolle, wenn nicht sogar eine sehr beachtliche Rolle spielen, und dass diese Faktoren auf die Physis und die Psyche des Menschen positiven wie negativen Einfluss nehmen können.

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Wenn nun aber die Möglichkeit besteht, ganz gleich wie groß oder gering sie sein mag, dass Architektur bei der positiven Entwicklung eigenständiger, selbstbewusster Menschen eine Rolle spielt, dann sollte dies unseren Kindern und allen am Lernprozess Beteiligten auch zugutekommen. Dann ist es unser Thema, wie Schulen gebaut und entwickelt werden – nicht nur für unsere Kinder, sondern auch als Arbeitsort für engagierte Lehrende, als ein Ort, der ihren Alltag, ihre Leistungsfähigkeit unterstützt. Dann muss es unser Thema sein, inklusive Schulen zu bauen, die Barrierefreiheit ebenso einschließen wie transkulturelle Leitsysteme, räumliche Flexibilität, neue Medien, tradierte Errungenschaften wie beispielsweise Bibliotheken und eine maßgeschneiderte Beleuchtung, die Gesundheit, Freude, Motivation, Spaß am Lernen und Lehren mit Würde ermöglichen. Alles das, wenn nicht noch mehr, macht Schulen aus, in denen Lehrerinnen und Lehrer mit Kindern und jungen Menschen einen Dialog aufbauen können und jeden Tag eine neue Chance haben, unsere Welt für die Zukunft zu gestalten.

Deshalb haben wir entschieden, eine Schulbaukonferenz ins Leben zu rufen. Wir wollen aufzeigen, dass wir als Architekten bei diesem Kernthema wichtige Akteure der modernen, pluralistischen Gesellschaft sind. In den kommenden Jahren werden in Sachsen viele Schulen gebaut werden. Dies bringt eine enorme Verantwortung für unseren Berufsstand mit sich – insbesondere in der neuen „Phase Null“, in der zuerst einmal darüber diskutiert werden sollte, welche Anforderungen und Bedürfnisse bei Nutzern und Auftraggebern vorhanden sind und welche entstehen werden. Die Schule ist ein idealer Bautyp, um das gesamte Spektrum unserer Fähigkeiten als Architekten zu demonstrieren und nicht zuletzt ein politisches Vehikel für unsere Kompetenz als zivilgesellschaftliche Kraft.

Mit der Schulbaukonferenz wollen wir eine interdisziplinäre Informationsplattform schaffen, die allgemeinverständlich ist und sowohl Entscheidungsträger und Fachplaner wie auch Pädagogen, Erzieher und Lehrer anspricht. Gemeinsam mit Experten aus Pädagogik, Erziehungswissenschaften, Geschichtswissenschaft, Soziologie und Politik wollen wir fachübergreifend theoretische und praktische Aspekte des Schulbaus beleuchten, hinterfragen und diskutieren. Interaktive Workshop-Angebote sowie Fachvorträge von Architektenkollegen mit aktuellen Schulbau-Beispielen runden das Programm ab.

Die Schulbaukonferenz Sachsen 2016 wird unter anderem mit partnerschaftlicher Unterstützung der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und weiterer Institutionen organisiert, denen unser herzlicher Dank gilt.

Ruairí O’Brien, Vorstand

Vorsitzender Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit

SCHULBAUKONFERENZ SACHSEN am 9. und 10. Dezember 2016 im Haus der Architekten, Goetheallee 37 in Dresden

Programm und weitere Informationen über unsere Geschäftsstelle und unter http://www.aksachsen.org

 

 

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