Tag der Architektur – Das Hochhaus und Einkaufszentrum am Albertplatz in Dresden

Am 27. und 28. Juni fand der deutschlandweite Tag der Architektur statt. In Sachsen haben in diesem Jahr bereits zum 20. Mal die Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Stadtplaner eingeladen, interessante Objekte zu besichtigen und miteinander ins Gespräch über Baukultur zu kommen. Passend zum Motto „Architektur hat Bestand“ haben wir mit dem Architekten, Stephan Hänel, über sein zum Tag der Architektur geöffnetes Objekt „Hochhaus und Einkaufszentrum am Albertplatz in Dresden“ gesprochen.

Herr Hänel, das Objekt am Albertplatz besteht aus verschiedenen Teilen. Können Sie uns eingangs kurz beschreiben, was alles entsteht?
haenelfurkertarchitekten_AnsichtAntonstraße_13x18Das Bauvorhaben umfasst gleichzeitig Umbau, Sanierung und Neubau. Das denkmalgeschützte Stahlbeton-Hochhaus von 1928 wird für die Laden- und Büronutzung saniert. Neben der denkmalgerechten Sanierung der Gebäudehülle bei Teilabbruch der Seitenflügel und dem mietergerechten Ausbau des Hochhauses muss die Umsetzung statischer Maßnahmen zur Gebäudestabilisierung erfolgen. Daneben erfolgt der Neubau eines Einkaufszentrums in Stahlbetonfertigteilbauweise. Hier entstehen zwei Vollgeschosse mit eine Gesamtnutzfläche von ca. 9300 m2 für Einkaufsmärkte, Läden und Gewerbeflächen. In zwei Untergeschossen wird eine Tiefgarage eingeordnet.
Der diesjährige Tag der Architektur hat das Motto „Architektur hat Bestand“. Auch um das Bestehen des Hochhauses am Albertplatz wurde in den letzten Jahren viel gerungen. Ist die nun gefundene Lösung für Sie persönlich eine gelungene Symbiose aus Erhaltung des Bestandes und moderner Architektur?
Das Hochhaus als Dominante, das Einkaufszentrum lagerhaft in etwa in der Höhe der umgebenden Villenbebauung und gegliedert in straßenseitige Kuben die den Rhythmus aufnehmen, empfinde ich als adäquate Antwort auf die vorgefundene Situation. In dieser Gesamtkomposition ist es auch schlüssig, dass die Seitenflügel des Hochhauses bis auf das 2. OG teilabgebrochen werden, da der in den 1920er Jahren verfolgte städtebauliche Ansatz einer kompakten vier- bis fünfgeschossigen Bebauung auf der Antonstraße Nordseite und Königsbrücker Westseite nicht weiterverfolgt wurde, und heute das Thema des Grünrings Übergang Innere – Äußere Neustadt neu interpretiert wird. Das Hochhaus kommt als Solitär so jetzt prägnanter zur Wirkung als in der vormaligen Einbindung. Dabei wird das Hochhaus nach der Sanierung entsprechend denkmalpflegerischen Gutachten eine helle warmweiße Putzoberfläche erhalten. Daran orientiert sind die Kuben ebenfalls in hellen warmen Farbtönen gehalten, die sich leicht abgetönt gegenüber dem Hochhaus absetzen. Die Oberfläche ist feinteilig gegliedert und strukturiert.
Wo sehen Sie die Schwerpunkte bei der Sanierung des Hochhauses?
Bei der Sanierung das Hochhauses galt es, das denkmalgeschützte Gebäude so zu ertüchtigen, dass es heutigen Nutzungsanforderungen gerecht wird, und somit der Erhalt des Denkmals für die nächsten Jahrzehnte gesichert wird. Parallel ist der Denkmalcharakter insbesondere in der äußeren Wirkung zu bewahren. Neben der statischen Ertüchtigung sind bei der Sanierung insbesondere die aktuellen Forderungen des Brand- und Schallschutzes an ein Hochhaus umzusetzen. Dafür wurden in einer längeren Konzept- und Planungsphase Lösungen gefunden, die nach Abstimmungen mit den zuständigen Behörden umgesetzt wurden. Bei der Aussenhülle lag auf der Basis von restauratorischen und bauphysikalischen Gutachten der Fokus darauf, die Anforderungen an Mindestwärmedämmung und Schallschutz bei der Fenstergestaltung sowie Putzauswahl und Farbigkeit mit den denkmalpflegerischen und stadträumlichen Aspekten in Einklang zu bringen.

Ursprünglich enthielten die Entwürfe mehr Grün. Darauf wird aus praktischen Gründen verzichtet. Wie gelingt es trotzdem eine angenehme Einkaufsatmosphäre und die Anbindung an den umliegenden Stadtraum zu schaffen?
Die im städtebaulichen Bebauungsplan entwickelte Grundform mit den straßenseitig gliedernden Kuben vor dem Grundbauköper wird in unserem Entwurf architektonisch untersetzt und gestärkt. Die vorspringenden Kuben haben eine dezent lebendige Keramikfassade in Elfenbein bis Ocker – Grautönen erhalten. Sie nehmen die aktive Rolle ein und stehen im Bezug zu den umgebenden Würfelhäusern und Stadtvillen sowie farblich zum Hochhaus. DSC_0115_AusschnittDiese Fassadenflächen werden in einem Rhythmus aus vertikalen Stäben und farbig changierenden Keramikflächen bekleidet. So entsteht auf der Fassadenfläche ein dezentes aber lebendiges Spiel der Farbtöne. Die Zwischenflächen werden dagegen mit einer Glas-Aluminium-Fassade in braun-grauer Tönung zurückhaltend gestaltet. Zusätzliche Baumpflanzungen und Grünflächen vor diesen Fassaden und auf dem zentralen Vorplatz nehmen das Thema der historischen Vorgärten auf und integrieren die Durchgrünung so in den Entwurf. Große verglaste Flächen im Erd- als auch Obergeschoss schaffen Einblicke in die anspruchsvoll gestaltete Verkaufswelt und laden so zu Nutzung und Einkauf ein. Dabei ist auch die Gestaltung des Vorplatzes vor dem zentralen Haupteingang an der Antonstraße zu erwähnen, der mit zwei Baumreihen bepflanzt wird, ein Imbissangebot mit Sitzmöglichkeiten erhält und auch die historische Pyramide des artesischen Brunnens mit einbezieht. Damit der Brunnen gut in der Öffentlichkeit wirksam wird, erhält dieser Kubus überhöhte Öffnungen. Die so entstehende Stadtloggia wird Teil des öffentlichen Raumes.

Nun ist man bei jedem Projekt für die Umsetzung seiner Ideen auf ein gutes Miteinander mit allen Beteiligten angewiesen und im Idealfall bilden der Architekt und der Bauherr ein Team. Bei diesem Projekt scheint das im Großen und Ganzen gut zu klappen, auch wenn im Moment der Zeitdruck natürlich enorm ist. Wie gelingt eine gute Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr am besten?
Es finden regelmäßig Besprechungen mit dem Bauherrn, dem Projektsteuerer und allen anderen am Bau Beteiligten zu den aktuellen Themen statt. In der Endphase ist täglich ein Mitarbeiter aus unserem Büro auf der Baustelle um aktuell anstehende Fragen zu klären. Ein Plus für die Zusammenarbeit ist, dass von Bauherrenseite von Anfang Wert auf eine qualitätsvolle Wirkung der Architektur in der äußeren Wirkung sowie im Innenraum gelegt wurde. Ergänzend war dabei wichtig, dass in Abstimmung mit dem Bauherren neben den technischen Ämtern der regelmäßige und frühzeitige Dialog mit der Stadtplanung und der Denkmalpflege erfolgte. Die Fassade wurde zum Beispiel über eine Variantenuntersuchung in Abstimmung mit Ämtern und Behörden entwickelt. Wir haben jetzt eine gute Übereinstimmung des realisierten Gebäudes mit den Visualisierungen.

Die Baustelle kann zum Tag der Architektur am 27. Juni, 13:30 und 15:00 Uhr im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Warum beteiligen Sie sich am Tag der Architektur und was erwartet die Besucher?
DSC_0089_Auschnitt
Der Tag der Architektur bietet uns die Gelegenheit, das Büro der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir können neu Entstandenes zeigen und dieses gleichzeitig mit den Besuchern kommunizieren. Der Besucher ist beim Tag der Architektur nicht nur Vorbeifahrender oder Nutzer, sondern er kann tiefer in das Gebäude blicken, mit uns in den Dialog treten und Fragen, die in ihm brodeln vor Ort stellen. Durch diesen Austausch verschiedener Meinungen und Auffassungen, sowohl positiver Art als auch durch das Infragestellen von Entwurfsaspekten, haben wir Architekten die Möglichkeit den Entwurf und dessen Rahmenbedingungen, zu erläutern. Positiv ist es, wenn sich unser Entwurf dem Besucher dadurch noch besser erschließt. Im Gegenzug kann der Austausch zu konstruktiven Anregungen für kommende Projekte führen. Wichtig ist es auch, dass neue Architektur eine Öffentlichkeit bekommt. Das gelingt am Tag der Architektur besonders gut.

Zur Geschichte des Hochhauses am Albertplatz
Der private Bauherr, Regierungsrat Dr. Alfred Hesse, wollte auf dem Grundstück im Zentrum der Dresdner Neustadt (Ecke Antonstraße/Königsbrücker Straße) ursprünglich eine ortstypische Eckbebauung mit Gewerbe- und Wohnnutzung in fünf Geschossen errichten lassen. Stattdessen entstand nach mehreren Umplanungen 1929 Dresdens erstes Hochhaus mit elf Stockwerken und 37 Metern Höhe. Der kraftvolle, stabile Stahlbeton-Skelettbau wurde von Hermann Paulick entworfen und das fertig gestellte Gebäude bis 1945 als reines Verwaltungsgebäude von der Sächsischen Staatsbank genutzt. Dank seiner stabilen Bauweise überstand das Hochhaus 1945 den Bombenangriff. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Dresdner Verkehrsbetriebe hier ihr Domizil. In den 1980er Jahren wurde das Hochhaus unter Denkmalschutz gestellt. Ab 1996 stand es fast 20 Jahre leer, obwohl es immer wieder diverse Umbauvarianten dafür gab. Seit 2013 wird es endlich saniert und mit Anbauten für ein Einkaufszentrum ausgebaut. Die Simmel Dresden GmbH investiert insgesamt 30 Millionen Euro. Betreut wird das Projekt am Albertplatz, das im dritten Quartal 2015 fertig gestellt werden soll, von dem Dresdner Architekturbüro hänel furkert architekten, Partnerschaft.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s