SCHUL-KON-Ausstellung 2016 im HAUS DER ARCHITEKTEN

Anlässlich der Schulbaukonferenz Sachsen 2016 – einer interdisziplinären Informationsplattform für Entscheidungsträger und Fachplaner wie auch für Pädagogen, Erzieher und Lehrer – wird die erste SCHUL-KON-Ausstellung ins Leben gerufen.

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Was ist Schule? Und was macht sie aus uns allen? Fragen wie diese stellen sich notwendigerweise, will man eine Schule planen. Die erste Frage erscheint simpel, bei näherem Fokussieren finden sich jedoch vielfältige und komplexe Antworten. Mit der SCHUL-KON-Ausstellung sollen die Besucher der Konferenz zum Dialog animiert werden. Sie soll zwischen den Fachvorträgen und Workshops Impulse, Denkanstöße und vielfältige Gesprächsstoffe bereithalten, so dass Teilnehmer und Gäste in konstruktiven Gesprächen darüber nachsinnen können, wie Schule und Schulbau gedacht und neu gedacht werden können.

Wer definiert, was eine Schule ist? Reicht ein Raumprogramm aus, um eine Schule zu planen oder braucht es dazu mehr? Wie werden wir durch unsere Schule geprägt?

Auch auf die zweite Frage gibt es viele und unterschiedliche Antworten. Häufig wird angeführt, dass Schule heute Kreativität und Individualität abschaffe und Anpassung fördere, dass sie vor allem quantifizierbaren, leistungsorientierten Output honoriere und keine geistige Entwicklung mehr fördere. Unterstützen unsere Architektur und der zum Schulbau hinführende Entscheidungsprozess diese Phänomene? Oder ist gerade das eines der wichtigsten Themen heutiger Architektur: der Technokratisierung und Optimierung unserer Lehrprogramme und Lehrkonzepte einen „Gegendenkraum“ für die Lehre und die Lehrenden zu ermöglichen?

Gesucht werden Ihre individuellen Ideen und Eindrücke rund um das Thema Schulbau. Gern können beispielsweise Fotos von selbst entworfenen oder sanierten Schulbauten und anderen Bildungseinrichtungen wie Kitas oder Hochschulen eingereicht werden, von Ausstellungen, Museen, Gedenkstätten, Bibliotheken, Theatern und anderen „Fliegenden Klassenzimmern“, in denen außerschulisches Lernen als Teil des Lehrprogramms stattfindet. Weiterbildungs- und Ausbildungsstätten können Sie zeigen oder Ihre persönlichen Eindrücke aus Ihrem eigenen Schulleben, das Schulgebäude, den Eingang, die Aula, das Klassenzimmer, Schulfreunde, Sportmannschaften, eine Klassenfahrt. Oder Aufnahmen von spannenden Projekten mit Schulen und Schülern, von Spielplätzen in einer Großstadt oder von längst vergessenen Jugendklubs auf dem Land, vom beliebten Sportverein um die Ecke.

Wesentlich bei der Auswahl Ihres eigenen Beitrages ist, dass in die SCHUL-KON-Ausstellung Ihre ganz persönlichen Impressionen in Form eines Fotos und Ihres eigenen zugehörigen Beschreibungstextes mit Bildtitel einfließen. Beschreiben Sie also dem Betrachter in Ihrem kurzen Text, wo Ihr Foto entstanden ist, was es so besonders macht und worauf Sie damit Ihr Augenmerk legen wollen. Schreiben Sie nach eigenem Ermessen in wenigen Stichpunkten oder auch als Miniatur, was Sie an diesem Foto berührt oder warum Sie es ausgewählt haben.

Wir freuen uns auf Ihre Beteiligung und sind gespannt auf Ihre inspirierenden Fotos und spannenden Geschichten!

Alles ist erlaubt (fast), solange es eine persönliche Note hat, unterhaltsam oder informativ animierend ist oder besonders positive (oder auch negative) Aspekte beleuchtet.

TEILNAHMEBEDINGUNGEN:

Die SCHUL-KON-Ausstellung wird zur Vertreterversammlung der Architektenkammer Sachsen am 18. November 2016 im Haus der Architekten eröffnet. Anfang 2017 wird diese dann in die Kammerbüros Chemnitz und Leipzig wandern.

Teilnehmen können Mitglieder der Architektenkammer Sachsen. Jeder Teilnehmer kann sich mit einem Foto an der Schulbau-Ausstellung 2016 beteiligen. Zu dem eingereichten Foto bitte einen Bildtitel, eine Kurzinformation oder einen begleitenden Text mitliefern, der den persönlichen Bezug zum Foto näher erläutert.

Das Foto kann als Original-Fotoabzug, als Scan, gedruckt, entwickelt oder in Dateiform in ausreichender Druckauflösung (mind. 300 dpi), eingereicht werden. Alle Fotos werden auf Banner gedruckt und ausgestellt. Die Einsendung (Abzug oder Datei) sollte es erlauben, das Foto in einer Größe von mind. DIN A4 bis max. ca. 30 x 40 cm zu drucken.

 

Die Einsendung erfolgt bevorzugt per Mail an: leipzig@aksachsen.org

oder per Post an:

Architektenkammer Sachsen

Kammerbüro Leipzig

Dorotheenplatz 3

04109 Leipzig

 

Einsendeschluss ist der 4. Oktober 2016

 

Der Umfang der Ausstellung ist auf 30 Objekte begrenzt. Sollten mehr Einreichungen eingehen, wählt eine Jury bestehend aus dem Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit der AKS die Teilnehmer aus.

 

Ruairí O`Brien, Vorstand, Vorsitzender Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit

„On the Road“ – SOMMERSCHAU 2016

Lißner_Rainer_Zaha_HadidZaha Hadid  – FOTO: Rainer Lißner

„Aus aktuellem Anlass möchte ich mit einem zweiten Bild beitragen. Für ein Leben, das nicht nur in der Kleidung außergewöhnlich und glitzernd war. Und für einen Ort, den es heute noch wie gestern gibt, dem Feuerwehrhaus der Vitra-Werke in Weil am Rhein. Diesen Ort geschaffen hat Kollegin Zaha Hadid, strahlend ist sie zu sehen bei der Eröffnungsfeier dieses Ortes, verstorben ist sie dieser Tage.“ Rainer Lißner 05.04.2016

SOMMERSCHAU – Eröffnungsrede:

Bereits zum sechsten Mal findet in diesem Jahr eine Sommerschau im Haus der Architekten statt und – nach dem großen Zuspruch im vorigen Jahr – zum wiederholten Mal die Fotoausstellung „On the Road“, inspiriert von Jack Kerouacs gleichnamigem berühmten Roman.

Es war ein Vergnügen, bei der Eröffnung so viele Leute zu sehen, jüngere und reifere Besucher gemischt, ein Querschnitt unseres Berufes – wobei Begrifflichkeiten dieser Art für unseren Beruf eigentlich nicht greifen, sind wir doch alle quasi dazu „verdammt“, jung zu bleiben und gleichzeitig im positiven Sinne reif zu sein. Wie sonst hätten wir unsere Universitätsausbildung erfolgreich durchgestanden, wie sonst wäre es möglich, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren, zu begeistern und zu mobilisieren: Architekten-Schicksal eben.

Umso passender ist die Sommerschau, der konzeptuell eine grundlegende Lockerheit innewohnt: (Fast) alles ist erlaubt. Das spielerische Format bietet Möglichkeiten für Spaß und Leichtigkeit an und so soll es sein. Ohne ausgleichende, inspirierende Momente wie diese wäre die Ernsthaftigkeit des Berufes dauerhaft wohl kaum erträglich. Und dennoch, schaut man genauer hin, inkludiert das Thema „Reisen“ neben Leichtigkeit auch gedankliche Tiefe und aktuelle Diskurse. Mehr und mehr wird „On the Road“-Sein zu einem Privileg. Dieses 2016 ist ein Jahr, in dem die Grenzziehungen in der Welt, die Abschottung ganzer Staaten und Landstriche, fortgesetzt wird. Viele der im Rahmen der Sommerschau gezeigten Fotos stammen aus besseren Zeiten.

Eine Inspiration für diese Sommerschau-Ausstellungsreihe gab Jack Kerouacs weltbekannter Roman „On the Road“ (1957). Das Buch ist eine Hymne auf die schöpferische Kraft des Menschen, ein Schlüsseltext, der die freiheitliche Kultur seit Generationen prägt. Das Buch erschien, als die Moderne dominierte. Die Welt erschien damals ziemlich weit und war für „normale“ Leute noch weitgehend unbekannt. Junge Menschen lehnten feste Strukturen ab, wollten improvisieren. Sie bewegten sich collageartig durch das Leben – als Protest gegen das Establishment. Vielleicht vertraten sie damit eine klare Linie gegenüber der gedachten Perfektion eines beispielsweise Mies-van-der-Rohe Seagram-Buildings von 1958? Mit seinem bekannten Four Seasons-Restaurant, welches das korporative großkapitalistische Selbstbewusstsein der USA verkörperte – ebenso wie das Erfolgsmodell „Wiederaufbau BRD“. Damals waren die Strukturen klar und unverrückbar. Der eiserne Vorhang trennte die westliche Welt von unbereisbaren Ländern. Statt „On the Road“ gab es „No Road“ – gesperrte Wege.

Neulich war ich zu Gast bei dem Gedenksymposium für Carlo Weber. Im Rahmen liebevoller Vorträge wurden zahlreiche Fotos aus seiner On-the-Road-Zeit als Lehrender an der TU Dresden eingeblendet. Die Fotos zeigten jemanden, der genau verstanden hatte, wie wichtig das Reisen und der kulturelle Austausch gerade für Studierende sind. Auf mehreren Bildern war Carlo Weber leger gekleidet zu sehen, mit landestypischer Kopfbedeckung, wahrscheinlich wegen der klimatischen Bedingungen – aber wohl auch aus purer Freude am Genius loci. Ein Sinnbild für die Akzeptanz des Anderen, wie sie sich auch im Olympia Stadion in München ausdrückt. Die freie Linie der Behnisch-Weber-Ottos dieser Welt – ja, sie hätten gut als Romanfiguren für Kerouac gepasst.

Teil der Sommerschau-Sammlung ist auch ein Foto von Zaha Hadid, und man fragt sich beim Betrachten, warum dieses Bild so anrührend ist. Es ist ein „gestohlenes“ Foto, aufgenommen aus einem unglücklichen Winkel. Man spürt exakt, wie vorsichtig der Fotograf vorgegangen sein muss, wie er versucht hat, es nicht zu offensichtlich werden zu lassen, dass er Zaha Hadid – ohne sie zu fragen – fotografiert hat. Wie er versucht hat, dennoch ihre Privatsphäre nicht zu verletzen und so eine Erinnerung an diese weltberühmte Architektin einzufangen, deren Name gleichbedeutend mit einer Marke ist. Eine Erinnerung an eine Frau aus dem Iran, die in London und in der ganzen Welt zu Hause war, die viel on the road erlebt hat. Man ist berührt, weil es eben nicht die künstliche Inszeniertheit eines Zeitschriften- oder Promotion-Fotos ausstrahlt, sondern Echtheit besitzt. Der Fotograf war im selben Raum mit Hadid. Die Aufnahme vermittelt die Aura des Alltagsmoments eines Stars als einem ganz einfachen Sterblichen wie wir alle auch. Hadids Architektur muss man nicht einmal mögen, um die Kraft der Aussage, die Freiheit in der Architektur, wahrzunehmen.

Beim Betrachten der fotografischen Reisebeiträge erstaunt, „how strange“, wie überraschend, wie schön, wie heiter unsere Welt sein kann, wie vielfältig,  – und wie vergänglich wir alle sind.

Dieses 2016 ist ein Jahr, in dem die Grenzziehungen in der Welt, die Abschottung ganzer Staaten und Landstriche fortgesetzt wird. Die Verengung nimmt zu. ‚To be or not to be‘ – a part of Europe? Die Zahl der Länder, die nicht mehr bereisbar sind oder es bald nicht mehr sein werden, wächst an. Man stelle sich einen Schnellvorlauf zur Sommerschau 2025 vor – welche Länder werden dann wohl zu sehen sein? Viele der in diesem Jahr gezeigten Fotos kommen aus besseren Zeiten.

Gleichermaßen ist es eine Freude, dass unserer Einladung zur Beteiligung an der Sommerschau wieder 34 Mitglieder und Gäste gefolgt sind – ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten! Unser großer Dank gilt zudem der BASEG GmbH aus Chemnitz, mit deren wiederholter Unterstützung alle Druckarbeiten in Form von Bannern und Programmheften realisiert werden konnten.

Die Ausstellung ist in diesem Jahr in der Zeit vom 23. Juni bis zum 21. August im Haus der Architekten in Dresden zu erleben und wandert danach wieder weiter in die Kammerbüros nach Leipzig und Chemnitz.

Der Sommerschau 2016 wünsche ich im Namen der Architektenkammer Sachsen wieder viele interessierte und begeisterte Besucher!

SCHULBAUKONFERENZ SACHSEN 2016

Prologtext zur Schulbaukonferenz der Architektenkammer Sachsen

Unsere Welt wird mit jedem Tag komplexer. Längst zeichnet sich ab, dass der Versuch zu verstehen, was Globalisierung für uns alle bedeutet, eines der Leitthemen des 21. Jahrhunderts ist. Unser Alltag wird durch täglich wechselnde Themen und gleichzeitig durch Dauerdiskurse bestimmt, mit denen wir uns auseinandersetzen und zu denen wir uns positionieren müssen. Ob Brexit, Pegida, Umweltprobleme, globale Ungerechtigkeit, Türkei, Trump, Grundgehalt, Digitalisierung – dies alles sind dringliche Themen, die früher oder später in unser Leben hineinwirken und für deren Existenz wir unseren Kindern und nachfolgenden Generationen Rede und Antwort stehen müssen. Rede und Antwort zumindest in dem Sinne, dass wir als Lehrende es den Lernenden ermöglichen, Ursachen und Kontexte zu verstehen und daraus eigene Positionen und mögliche Lösungsansätze zu entwickeln. Wir, damit meine ich alle prägenden sozialen Gruppen der Zivilgesellschaft, in erster Linie jedoch die Elternhäuser und die Schulen, an denen junge Menschen ausgebildet werden. Wie es gelingen kann, Menschen als selbstbestimmte Individuen und verantwortungsbewusste, empathische soziale Akteure ganzheitlich mit modernen Mitteln humanistisch zu bilden, ist ein zentrales Thema der europäischen Humanismusgeschichte und der Architektur seit der frühen Antike.

Wo immer Menschen sich versammeln – ob auf einem Marktplatz, im Park oder im Garten, in der Kirche, in Museen, Büros, in der Küche oder in einem Klassenzimmer – die Architektur und die Gestaltung von Raum haben immer Einfluss – mal mehr, mal weniger, bewusst oder unterbewusst – auf das Raumerlebnis, das Wohlgefühl und die Aufnahmefähigkeit. Psychische und geistige Auswirkungen zu belegen, erfordert einen hohen empirischen Untersuchungsaufwand. Betrachten wir also allein das physische Raumerlebnis – es ist nicht von der Hand zu weisen, dass beispielsweise Sehkomfort, Licht, Verschattung, Schall, Material und Farben eine Rolle, wenn nicht sogar eine sehr beachtliche Rolle spielen, und dass diese Faktoren auf die Physis und die Psyche des Menschen positiven wie negativen Einfluss nehmen können.

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Wenn nun aber die Möglichkeit besteht, ganz gleich wie groß oder gering sie sein mag, dass Architektur bei der positiven Entwicklung eigenständiger, selbstbewusster Menschen eine Rolle spielt, dann sollte dies unseren Kindern und allen am Lernprozess Beteiligten auch zugutekommen. Dann ist es unser Thema, wie Schulen gebaut und entwickelt werden – nicht nur für unsere Kinder, sondern auch als Arbeitsort für engagierte Lehrende, als ein Ort, der ihren Alltag, ihre Leistungsfähigkeit unterstützt. Dann muss es unser Thema sein, inklusive Schulen zu bauen, die Barrierefreiheit ebenso einschließen wie transkulturelle Leitsysteme, räumliche Flexibilität, neue Medien, tradierte Errungenschaften wie beispielsweise Bibliotheken und eine maßgeschneiderte Beleuchtung, die Gesundheit, Freude, Motivation, Spaß am Lernen und Lehren mit Würde ermöglichen. Alles das, wenn nicht noch mehr, macht Schulen aus, in denen Lehrerinnen und Lehrer mit Kindern und jungen Menschen einen Dialog aufbauen können und jeden Tag eine neue Chance haben, unsere Welt für die Zukunft zu gestalten.

Deshalb haben wir entschieden, eine Schulbaukonferenz ins Leben zu rufen. Wir wollen aufzeigen, dass wir als Architekten bei diesem Kernthema wichtige Akteure der modernen, pluralistischen Gesellschaft sind. In den kommenden Jahren werden in Sachsen viele Schulen gebaut werden. Dies bringt eine enorme Verantwortung für unseren Berufsstand mit sich – insbesondere in der neuen „Phase Null“, in der zuerst einmal darüber diskutiert werden sollte, welche Anforderungen und Bedürfnisse bei Nutzern und Auftraggebern vorhanden sind und welche entstehen werden. Die Schule ist ein idealer Bautyp, um das gesamte Spektrum unserer Fähigkeiten als Architekten zu demonstrieren und nicht zuletzt ein politisches Vehikel für unsere Kompetenz als zivilgesellschaftliche Kraft.

Mit der Schulbaukonferenz wollen wir eine interdisziplinäre Informationsplattform schaffen, die allgemeinverständlich ist und sowohl Entscheidungsträger und Fachplaner wie auch Pädagogen, Erzieher und Lehrer anspricht. Gemeinsam mit Experten aus Pädagogik, Erziehungswissenschaften, Geschichtswissenschaft, Soziologie und Politik wollen wir fachübergreifend theoretische und praktische Aspekte des Schulbaus beleuchten, hinterfragen und diskutieren. Interaktive Workshop-Angebote sowie Fachvorträge von Architektenkollegen mit aktuellen Schulbau-Beispielen runden das Programm ab.

Die Schulbaukonferenz Sachsen 2016 wird unter anderem mit partnerschaftlicher Unterstützung der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft und weiterer Institutionen organisiert, denen unser herzlicher Dank gilt.

Ruairí O’Brien, Vorstand

Vorsitzender Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit

SCHULBAUKONFERENZ SACHSEN am 9. und 10. Dezember 2016 im Haus der Architekten, Goetheallee 37 in Dresden

Programm und weitere Informationen über unsere Geschäftsstelle und unter http://www.aksachsen.org

 

 

Hausmesse Dresden – „Besser mit Architekten“

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Am vergangenen Mittwoch durfte ich unsere Kammer bei der Eröffnung der Hausmesse Dresden vertreten. Ich halte unsere Dresdner Messe als Plattform für die Vermittlung von Grundwerten unseres Architekten- Berufes für sehr wichtig.

Sie ist ein Marktplatz, an dem wir teilnehmen müssen.

Das Thema Hausbau ist ein besonders geeignetes Vehikel um politische Baukultur-Botschaften an Laien, an die allgemeine Bevölkerung, an die Tagespresse und an die Politiker zu übermitteln. Wenn wir das nicht tun, könnte unser Recht, etwas über Qualität und zukunftsweisendes Denken in diesem Bereich bis hin zum Städtebau zu sagen, angezweifelt werden.
Wir sollten das faktische und moralische Terrain gegenüber den Bauträgern abstecken und sichern, die gern ohne uns bauen würden. Die Emotionen, die Menschen mit ihren eigenen vier Wänden verbinden, sind nicht zu unterschätzen; ebenso wenig die Rolle der Erziehung und Aufklärung nachkommender Generationen hinsichtlich Qualität und Schönheit. Wer in einem schönen Architektenhaus aufgewachsen ist, wird sich ein Leben lang daran erinnern und unserem Berufsstand gegenüber positiv eingestellt sein. Die Messe bietet uns und insbesondere den kleineren Büros eine Chance, hier wirksam zu werden.

Ich meine auch, dass unser Messeauftritt von Optimismus und positivem Denken geprägt sein sollte, um unsere Rolle als unabhängige Experten zu bewahren und attraktiv zu machen.

Gemäß der Worte von Leon Battista Alberti „Das Haus ist wie eine kleine Stadt“ steckt mehr in der Hausmesse Dresden, als man zunächst denken mag: Hausbau, Städtebau, Stadtpolitik und Baukultur in einem.

Kollegen, wir brauchen eure Unterstützung, um unseren Messeauftritt zu stärken und unsere Berufspolitik dort zu vertreten. Es kann für uns auch ein Flaggschiff sein, mit dem wir die Themen in der Öffentlichkeit präsentieren, die uns wichtig sind und so die Stadt und Landbewohner von heute und morgen für uns gewinnen.

Meine Eröffnungsrede:

„Sehr geehrter Herr Minister, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren!

Eine Messe ist etwas Feines, etwas Fröhliches, es gibt was zu feiern. Eine positive Anspannung hängt in der Luft bevor es losgeht. Da kommen Leute von überall her und stellen ihre Waren zur Schau. Man will ins Gespräch kommen, sich austauschen, sich informieren, man hat was vor und mal will die besten Partner für die Sache finden.
In Grunde genommen ist so eine Messe ein Mikrokosmus der Hoffnung und der Freiheit, kompakt und lebendig, wie ein Marktplatz an einem Samstagmorgen. Alle haben sich gut angezogen und wollen sich von ihrer besten Seite zeigen.

Freiheit besteht, weil wir das dürfen, weil wir die Menschen, mit denen wir sozusagen unser Leben teilen, mit denen wir arbeiten wollen – Handwerker Fachplaner und so weiter – mit denen wir unsere Projekte umsetzen, auswählen dürfen, und auch die Produkte, die wir verwenden wollen.
Das Wesen von Hoffnung besteht darin, an die Zukunft zu glauben – noch besser: an eine Zukunft zu glauben, die wir selbst gestalten können und wollen, auch mit unseren Bauwerken.

Deswegen liebe ich Messen und besonders die Hausmesse.

Dieser Begriff „Haus“ – so einfach, so kurz, aus nur vier Buchstaben gemacht – steht für so viele Werte, die in unserer Gesellschaft schützenswert sind und sie lebenswert machen.
“Everyman’s home is his Castle.” Jedermanns Haus ist sein Schloss. Das ist ein machtvoller Satz. Bescheiden und kraftvoll zugleich. Damit feiern wir unsere Freiheit, unser Recht eine eigene kleine Welt zu haben, die Hoffnung auf das gemeinsame Leben innerhalb der Familie, mit Jung und Alt, aber auch das Recht darauf, das eigene Glück im Leben zu suchen. Architekten bauen Häuser für jedermann. Kleine und große Häuser.
Große Architektur kann auch klein sein, kann einfach sein.

Deswegen ist bezahlbares Wohnen heutzutage ein ganz wichtiges Thema für uns. Wenn die Kassen knapp sind und die Ressourcen und der Platz immer weniger werden, dann ist Kreativität gefragt. Architekten können nicht nur „weniger ist mehr“ leisten, sondern auch mehr mit weniger.

Wir sollten keine falsche Verzichtskultur pflegen, wenn es um ARCHITEKTUR geht, sondern Vertrauen in die Baukultur setzen.

Nach den Prinzip ganzheitlichen Planens und Denkens müssen Häuser 4 Komponenten haben: 3 messbare und eine unmessbare:

1)Das Geld muss stimmen, auch mit wenig Mitteln kann man mit guter Planung viel schaffen.
2)Die notwendige Technik muss auf der Höhe der Zeit sein, umweltschonend und für den Nutzer behaglich.
3)Das Haus darf schön sein, die Proportion müssen stimmen, die richtigen Materialien ausgewählt werden, Licht und Farben in Einklang sein.
4) Die unmessbare Komponente sind der Spaß und die Freude im Planungsprozess und am Leben in dem gebauten Haus.

Ich habe den Unterpunkt ästhetische Schönheit unter das Messbare gefasst, ich glaube, dass die Ästhetik tatsächlich planbar und kalkulierbar ist, wenn man mit Architekten baut. Die vierte Komponente – Spaß – ist das einzige Element, das Architekten nicht vollständig mitplanen können – dafür sind alle am Bauprozess Beteiligten gemeinsam zuständig. Während sonst alles messbar, kontrollier- und abrechenbar ist, fehlt für den Spaß am Bauen die DIN-Norm. Im HOAI habe ich dazu auch nichts gefunden. Vielleicht erfinden wir gemeinsam ein Messgerät, das prüfen kann, wie oft in einem Haus gelacht wird? Das wäre eine neue sächsische Erfindung für die Annalen.

Unabhängige Beratung und Planung sind gut für die Menschen, für die Umwelt, den Bauherrn und auch für Industrie und Handwerk. Wir Architekten stehen als Moderatoren, als Mediatoren und als Partner für Ihre kleinen und großen Aufgaben zur Verfügung.

Ich danke Ihnen!“

Ruairí O’Brien Architekt AKS

 

Europäische Kommission macht im HOAI-Vertragsverletzungsverfahren weiter

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im HOAI-Vertragsverletzungsverfahren fordert die Europäische Kommission die Bundesregierung nunmehr in einer zweiten Stufe auf, mitzuteilen, welche Maßnahmen zur Behebung der Beanstandungen (Mindest- und Höchsthonorare für Architekten und Ingenieure) ergriffen wurden. Damit hat sich die EU-Kommission von der dazu bereits im September 2015 abgegebenen Stellungnahme der Bundesregierung nicht überzeugen lassen.

Die Bundesregierung hat nunmehr zwei Monate Zeit, eine erneute Stellungnahme abzugeben. Anderenfalls kann die Europäische Kommission beim Europäischen Gerichtshof Klage erheben.

Zu den Einzelheiten finden Sie im Anhang die heutige Pressemeldung der Bundesarchitektenkammer zu diesem Thema.

Mit besten Grüßen, Jana Frommhold, Geschäftsführerin

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Bericht zum Kongress -„Kostenbewusst Planen und Bauen – Wohnungsbau voranbringen“ – Holger Just

Bericht vom Kongress am 16.02.16 in Berlin

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hatte am 16. Februar 2016 zu einem Kongress mit dem Titel „Kostenbewusst Planen und Bauen – Wohnungsbau voranbringen“ im Rahmen der Berliner Baumesse bautec eingeladen. Das Ministerium geht davon aus, dass jährlich 350.000 Wohnungen in Deutschland neu gebaut werden müssen, um Familien, Alleinerziehende und Studenten unterbringen zu können. Durch den Zustrom von Flüchtlingen könnte sich der Bedarf noch vergrößern.

In Deutschland stehen derzeit zwar ca. 1,5 Millionen Wohnungen leer, aber am „falschen“ Ort. Während Kleinstädte und ganze Regionen von Abwanderung betroffen sind, drängen Wohnungssuchende auf die leergefegten Märkte der wachsenden Metropolenregionen um München, Hamburg, Frankfurt, Köln etc. – im Osten sind Leipzig und Dresden unter den wachsenden Kommunen vertreten. Immerhin 170.000 Wohnungen werden vor allem an diesen Orten jährlich neu gebaut und teuer verkauft. Die Bundesregierung sieht hier Handlungsbedarf und forciert ein nationales Bündnis für den bezahlbaren Wohnungsbau.

Bündnispartner sind neben den Vertretern der Kommunalverwaltungen und Wohnungsgesellschaften vor allem die Interessenverbände der Bauindustrie und der gewerblichen Wohnungsunternehmen, die den ersten Teil der Veranstaltung bestritten. Wir drei Delegierten vom Vorstand der AK-Sachsen Martin Fassauer, Ruairí O´Brien und Holger Just fühlten uns da durchaus an eine DDR-Wohnungsbaukonferenz der 1970er Jahre erinnert. So kam Markus Becker Vizepräsident des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie zu dem Schluss, dass nun auf der grünen Wiese unter Vermeidung architektonischer Gestaltung geklotzt werden müsse. Auch konnte Kristina Jahn vom Vorstand der Berliner Wohnungsgesellschaft DEGEWO stolz von der erfolgreichen Vermeidung externer Architektenleistungen in Ihrem Wirkungsbereich berichten. Und Josef Haas der Geschäftsführe der KAMPA GmbH verstieg sich in seinem fast kabarettistisch anmutenden Vortrag in bayrischer Mundart zu der These, man müsse überhaupt nicht kostengünstig Bauen, da man sich als KAMPA-Kunde ja einen erklecklichen Teil der Kosten vom Staat zurückholen könne. Dafür gab es von den im Publikum vertretenen Staatsdienern zum Schluss auch noch freundlichen Applaus.

Immer wenn es um kostensparendes Bauen geht, wird das Thema des „seriellen Bauens“ in großen Mengen neu aufgetischt – diesmal von dem enthusiastischen Hochschullehrer Prof. Georg Sahner aus Augsburg. Auch hier alter Wein in neuen Schläuchen. Übereinander gestapelte Raumzellen kenne ich noch aus Studentenzeiten.

Es blieb Prof. Karsten Tichelmann von der TU-Darmstadt vorbehalten, die Ehre der Planer wiederherzustellen und der Veranstaltung die geboten Seriosität zurück zu geben. Die von ihm aufgezeigten Beispiele des Bauens mit vorgefertigten Elementen waren nicht nur ästhetisch vorbildlich, sondern belegten auch den intensive Planungsprozess der Architekten und Ingenieure. Auch zeigte er, dass kostengünstiges Bauen im Bestand möglich ist, vorzugsweise mit intelligenten Lösungen der städtebaulichen Nachverdichtung und der Aufstockung von Gebäuden. Nach seinen Schätzungen sind mit diesen Strategien in den westdeutschen Metropolenregionen bis zu 1,2 Millionen (!) neue Wohnungen herstellbar, ohne das Umland der Städte weiter zu zersiedeln.

Hier ist anzumerken, dass das IÖR Dresden für die ostdeutschen Kommunen ähnlich hohe Reserven in den Innenstadtbezirken von Dresden, Chemnitz und Leipzig sieht. Allein in Dresden könnten 50.000 Wohnungen in den urbanen Brachen der Innenstadt entstehen.

Die Industrie muss also nicht mit schwerer Technik über das Umland der Städte herfallen, um Produktivitätsvorteile zu erreichen. Vorfertigung kann heute in fast jeder Situation wirtschaftlich erfolgen, wie der Vortrag des Fertigteilspezialisten Max Bögl zeigte – auch er angenehm unaufgeregt und fachkompetent.

Zweifellos ist eine kostengünstige Gebäudehülle ein wichtiger Faktor für bezahlbares Wohnen. Aber die Bemühungen um Vorfertigung, intelligenten Materialeinsatz und praktische Grundrisse laufen völlig ins Leere, wenn die Wohnungen nicht hinterher auch günstig gemietet oder gekauft werden können. Hier spielen nicht nur die Grundstückspreise, die sich in den Wohnungsendpreisen wiederfinden eine Rolle, sondern auch die Frage: wer baut?

Für den Kongress war das zwar kein zentrales Thema; dennoch gab dazu vom Abteilungsleiter Wohnungswesen der Berliner Senatsverwaltung Dr. Jochen Lang überraschend klare Aussagen. Berlin entwickelt Wohnungsbaustandorte auf Innenflächen, die von der Landesregierung zur Verfügung gestellt werden. Sie werden zu Vorzugskonditionen und mit Auflagen für bezahlbaren Wohnungsbau an die Kommune übereignet. Mit diesen Flächen werden dann die Berliner Wohnungsbaugesellschaften und auch neue Wohnungsgenossenschaften ausgestattet, die so – ohne überzogene Gewinnerwartung – tatsächlich sozialen Wohnungsbau betreiben können.

Aufschlussreich war der Bericht der Baukostensenkungskommission. Sie kommt laut Michael Neitzel, dem Geschäftsführer des InWIS Bochum zu dem Ergebniss, dass nicht die Bauwerkskosten, sondern die Kosten für die Gebäudetechnik überproportional gestiegen sind. Es wird immer mehr Gebäudetechnik verbaut, um überzogenen Komfortansprüchen und der EnEV zu genügen. Hier hatte aber die Lobbyarbeit der TGA-Industrie offensichtlich schon vorgebaut; am haustechnischen Standard dürfe nach Aussage einiger Referenten nichts geändert werden – Autohersteller würden ja immer mehr Technik in die PKW einbauen, und überdies verlange die die üppig ins Kraut schießende europäische Normung die weitere technische Aufrüstung. Aktuelle Studien zeigen aber, dass heutige „Energieeffizienzhäuser“ nicht nur in der Herstellung deutlich aufwändiger sind, als ihre Pendants aus den späten 1990er Jahren, sondern effektiv mehr Energie verbrauchen.

Damit stand der Berliner Kongress in auffälligem Widerspruch zum 10-Punkte-Programm von Bundesbauministerin Barbara Hendricks, das auf Nachhaltigkeit abzielt. Auf der bautec zogen am 16. Februar vor allem die Technologen alarmistisch vom Leder, welche schnelle und billige Lösungen präferieren. Setzt sich diese Fraktion durch, ist zu befürchten, dass in der nächsten Zeit aktionistische Pläne verwirklicht werden und neue umweltzerstörende, gesichtslose Vorstädte wie in den 1990er Jahren entstehen.

Fazit
Primär müssten die städtebaulichen und raumplanerischen Ansätze im Zusammenhang mit dem neuen Wohnungsbauprogramm verfolgt werden, denn hier beginnt bereits die Kosteneffektivität. Traditionelle urbane Muster, vorhandene Erschließungen und komplexe Projekte sind wichtige ökonomische Grundkomponenten des Wohnungsbaus, die es auf der grünen Wiese nicht gibt. Dass es in Zukunft aber darum gehen muss, bewährte Strukturtypen wie die Gründerzeitviertel und die Gartenstadt auszubauen ist auch die Meinung der deutschen Immobilienunternehmen, die von Axel Gedaschko auf der Konferenz vertreten wurden. Er forderte dazu auf, die aktuelle Dynamik der Märkte zu nutzen, um ausschließlich nachhaltige Immobilien (auch für die Flüchtlingsintegration) zu errichten. Das dürfte ganz in unserem Sinne sein!

Holger Just

AKS kritisiert Bedingungen zu VOF-Verfahren in Leipzig

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Architektenkammer Sachsen wandte sich kürzlich mit einem Schreiben an die Baubürgermeisterin der Stadt Leipzig, Frau Prof. Dubrau. Anlass für dieses Schreiben waren Beschwerden unserer Mitglieder gegen VOF-Ausschreibungen für Schulen mit Sporthallen in Leipzig. Die Hauptkritikpunkte an diesem Verfahren beziehen sich im Wesentlichen darauf, dass die Anforderungen für eine Teilnahmezulassung zu den Verfahren zu hoch sind und sachfremde Eignungskriterien abgefragt werden. So müssen zwar die geforderten Referenzen keine Schulbauten sein, allerdings erhalten Schulbaureferenzen Sonderpunkte bei der Bewertung, womit Referenzen nur ähnlicher Größenordnung im Ergebnis schlechter bewertet werden. Weiter mangelhaft an diesen Verfahren ist, dass sog. Drittreferenzen ausgeschlossen werden.

Zudem kritisieren wir, dass für diese Neubauvorhaben keine Wettbewerbe nach RPW durchgeführt werden, obwohl der Architektenwettbewerb vorliegend geeignet gewesen wäre, eine Vielzahl von Lösungen für diese komplexen Aufgaben zu finden.

Wir baten Frau Prof. Dubrau um Prüfung der Angelegenheit und ihre Stellungnahme. Über den weiteren Fortgang werden wir Sie hier auf dem Laufenden halten.

Mit besten Grüßen, Frommhold, Geschäftsführerin

Wettbewerb „Wohnen am Hutholz“ in Chemnitz entschieden

von Oliver Stolzenberg

Die Aufgabe des von der Wohnungsgenossenschaft „Einheit“ eG Chemnitz ausgelobten Einadungswettbewerbs mit 17 Teilnehmern bestand im Entwurf einer Wohnanlage mit ungefähr fünfzig Wohnungen und den dazugehörigen PKW-Stellplätzen. Das Baugrundstück, am südwestlichen Stadtrand von Chemnitz gelegen, ist Teil des letzten Ausläufers des ausgedehnten Plattenbaugebiets „Fritz-Heckert“. Nach der Wende wurde hier vieles saniert, um- und rückgebaut und teilweise auch abgerissen. Die Schwierigkeit bestand darin, eine Bauform zu finden, die zwischen in die aus 2-3-geschossigen Häuserzeilen und 6-geschossigen Punkthäusern bestehenden heterogenen Nachbarschaft passt, Blicke in die weite Landschaft nach Nordwesten erlaubt und den durchgrünten Charakter des Gebiets erhält. Nach Auffassung der Jury unter Vorsitz von Carl Herwarth von Bittenfeld hat das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Büro von Carsten Otto und Christian Müller aus Dresden diese Aufgabe besonders gut umgesetzt. Die drei polygonalen Baukörper, die im Grundriss einem Stern mit stumpfen Spitzen ähneln, organisieren sich um ein mittiges Treppenatrium mit Oberlicht und fügen sich in ihrer Geschossigkeit gut in das Umfeld ein. Einen ähnlichen städtebaulichen Ansatz verfolgte das zweitplatzierte Büro, Euen, Wolf und Winter aus Gera, mit einer aufgelockerten kubischen Bauweise, während der dritte Preisträger, rohdecan Architekten/Dresden, die Gebäude straßenbegleitend um eine zentrale grüne Mitte organisierte und damit den bestehenden Städtebau auf einfache und selbstverständliche Weise zu einem Abschluss brachte.

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Modellfoto erster Preis (Foto: O. Stolzenberg)

WGE modell 1001
Modellfoto zweiter Preis (Foto: O. Stolzenberg)

WGE modell 1009
Modellfoto dritter Preis (Foto: O. Stolzenberg)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Führt das Vertragsverletzungsverfahren der EU zur Abschaffung der HOAI? – Ein Kommentar von Holger Just, Freier Architekt, Dresden

Ich möchte kurz von der Anhörung im Bundeswirtschaftsministerium am 19. August berichten, die ich gemeinsam mit unserem Präsidenten Alf Furkert und unserer Geschäftsführerin Frau Frommhold besucht habe. Gegenstand der Anhörung war das Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland und weitere Mitgliedsstaaten, um deren Gebührenordnungen der freien Berufe zu liquidieren – wir haben bereits in der Augustausgabe des DAB darüber informiert.

Die Veranstaltung war seitens der Architektenschaft mit den Präsidenten, Justiziaren und Vorstandsmitgliedern der Länderkammern, der Bundesarchitektenkammer, Vertretern des AHO und der Ingenieurkammern prominent und mit viel Fachverstand besetzt. Ihre Wortmeldungen und Diskussionsbeiträge waren insgesamt ein eindrucksvolles Plädoyer für die deutsche HOAI und dürften auch für die Vertreter des BMWI sehr informativ gewesen sein. Wie die Sondierungen im Vorfeld erwarten ließen, ist auch das BMWI von der Bedeutung der HOAI überzeugt.

Es wurde deutlich, dass die Anwürfe der EU-Kommission offensichtlich politisch-ideologisch  motiviert sind, da eine Behinderung des Dienstleistungsverkehrs durch die HOAI nicht existiert. Im Gegenteil; die mit dem leistungsbeschreibenden Charakter der HOAI verbundene Transparenz wird von auswärtigen Planern sogar als Vorteil angesehen. Vor allem wurde deutlich, wie intensiv die HOAI mit dem deutschen Planungssystem korrespondiert, also der von Ausführungsinteressen unabhängigen Planung und deren Ausrichtung auf den Werkerfolg. In Deutschland ist der Architekten- und Ingenieurberuf aus diesem Grund deutlich stärker mittelständisch organisiert, als beispielsweise in Frankreich oder Großbritannien. Ein homogener Dienstleistungsmarkt, wie ihn die EU-Kommission unterstellt,  existiert also faktisch nicht; die verschiedenen Planungswelten sind mit oder ohne Gebührenordnung inkompatibel, ohne dass dies von den planenden Berufen in der EU als Problem angesehen wird.

Es ist also kaum verwunderlich, dass es keine überzeugenden rationalen Gründe für die Abschaffung der HOAI gibt und sich außerordentlich wenige Befürworter einer solchen Deregulierung finden, wie etwa der Hamburger Jurist Friedrich-Karl Scholtissek der sich mit seinen beiden Veröffentlichungen in der FAZ vom 10. und am 24. Juli zum weitgehend isolierten Lautsprecher der HOAI-Abschaffung  gemacht hat. Seine Argumentation ist tendenziös und fehlerhaft, denn die von ihm benannte Cipolla-Entscheidung des EuGH aus dem Jahre 2006 konzediert die Beibehaltung und Einführung von Gebührenordnungen und stützt die HOAI  im Grunde. Gleichwohl wäre die Angemessenheit der Mindesthonorare eine wissenschaftliche Untersuchung wert.

Doch darum scheint es der EU-Kommission offensichtlich nicht zu gehen. Die auf Deregulierung programmierten Eurokraten, die mit der Entbürokratisierung aber besser zuerst bei sich selber anfangen sollten, anstatt mit der marktradikalen Brechstange  in ein funktionierendes, wenngleich fragiles System einzugreifen, sind offenbar auf Krawall gebürstet und haben bereits ihre Absicht kundgetan, bei einer weiterhin störrischen Haltung der Bunderegierung erneut bis zum Europäischer Gerichtshof streitet zu wollen.

Doch wozu? Die geplante Deregulierung würde nicht einen einzigen müden Euro an zusätzlichen Bauinvestitionen mobilisieren, denn die Einsparungen bleiben für die Bauherren und Investoren marginal. Das Ende der HOAI würde lediglich für eine weitere Schwächung der kleinen und mittelständischen Unternehmen sorgen, deren Inhaber und Angestellte dann auf Transferleistungen angewiesen wären. Das aber ist offensichtlich gewollt, oder wird billigend in Kauf genommen. Nicht Handelshemmnisse werden bekämpft, sondern kleinteilige Betriebsstrukturen, die einigen Hardlinern offenbar nicht in die neoliberale Landschaft passen.

Da nicht auszuschließen ist, dass die Bunderegierung aus Opportunitätsgründen vorzeitig einknickt, sollten wir uns über die Kollateralschäden einer solchen Deregulierung mit den Politikern hierzulande austauschen.

Die deutschen Architekten und Ingenieure sind für den Fall einer Deregulierung schlecht aufgestellt, da selbst das umfangreichere deutsche Planungsmodell die viel zu hohe Architektendichte und Ingenieursdichte kaum noch absorbiert. Würden Deregulierung und wirtschaftliche Abkühlung zusammenfallen, gäbe es wohl kein Halten mehr.

Die Architektenkammer Hessen rechnet infolge des absehbaren Preiswettbewerbs mit der Geschäftsaufgabe von ca. 30-40% der deutschen Architektur- und Ingenieurbüros! Dass ein solcher existenzieller Überlebenskampf zu mehr Qualität führt, wird vermutlich sozialdarwinistisches Wunschdenken bleiben, denn wer im Preiskampf unterliegt, kann nicht vorhergesagt werden. Auf der Strecke blieben jedoch mit Sicherheit der Verbraucherschutz, den die HOAI sicherstellt und die wirtschaftliche Existenz vieler Kollegen und Angestellten. Wir sollten daher ein deutliches Zeichen der Geschlossenheit setzen – auch mit der Unterzeichnung der Petition zur Beibehaltung der HOAI.

Holger Just, freier Architekt, Dresden, den 24.08.15

Lichtforum „Licht + Dunkelheit“. Ein thematisches Veranstaltungsprogramm zum Architektursommer Sachsen 2015 in Leipzig, anlässlich des UNESCO International YEAR of LIGHT 2015.

Licht-Dunkelheit-RUAIRIOBRIEN
Anliegen des „Licht + Dunkelheit“ Programms ist es, die Gesellschaft, Planer, Politiker und Entscheidungsträger für das vielschichtigte und wichtige Thema Licht zu sensibilisieren, allgemein die Wahrnehmung für den qualitätsvollen Einsatz von Licht zu schärfen und die effiziente und nachhaltige Nutzung der heutigen technischen Möglichkeiten zu Gunsten einer hohen Lichtqualität zu unterstützen.
In diesem Sinne wurde von Ruairí O’Brien mit den Gesprächsabenden/Symposien „Kunst als Motor“ am 21. August 2015 und „Licht + Dunkelheit“ am 18. September 2015 als Rahmen sowie der thematischen Kunstausstellung mit namhaften Künstlern „28 TAGE Dunkel“ (Konzept/Kuration Jürgen Meier) vom 21. August bis 18. September 2015 ein kompaktes, vielschichtiges und attraktives Programm zusammengestellt, welches das Universum von Licht und Dunkelheit thematisch umreißt und im Einklang präsentiert. Im Laufe des Gesamtprogramms werden weitere verschiedene Veranstaltungen mit Partner und Sponsoren stattfinden.

Licht + Dunkelheit – Überblick Gesamtprogramm

ERÖFFNUNG                                       
Freitag, 21.08.2015, 19.00 Uhr,
Tapetenwerk Leipzig, Halle C01
mit Symposium/Gesprächsabend
„Kunst als Motor“ und
Vernissage der Kunstausstellung
„28 Tage Dunkel“
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Auftaktveranstlaltung und Eröffnung des Gesamtprogramms „Licht + Dunkelheit“ mit dem Podiumsgespräch „Kunst als Motor“ und Vernisage der Kunstausstellung „28 Tage Dunkel“Das Symposium Kunst als Motor möchte über den Einfluss von Künstlern auf die sozioökonomische und immobilienwirtschaftliche Lage eines Viertels/einer Stadt diskutieren. Es wird der Fragen nachgegangen, ob und inwiefern Künstler und Kunst zu einer besseren, nachhaltigeren Stadtentwicklung und Architektur beitragen können. Podiumsgäste sind:
o Jana Reichenbach-Behnisch (Eigentümerin Tapetenwerk)
o Ingo Fischer (Sächs. Immobilien und Baumanagement (SIB), Architektenkammer Sachsen/KG Leipzig)
o Mathias Mahnke (Unternehmensberater, Investor Sanierung Industrieruine als Kreativraum in Leipzig)
o Ruairí O’Brien (Freier Architekt/Lighting Designer/ Künstler, Vorstand Architektenkammer Sachsen)


Ausstellung zeitgenössischer Künstler
„28 TAGE Dunkel“
ERÖFFNUNG: 20.30 Uhr,
21.08.2015 bis 18.09.2015,
Tapetenwerk Leipzig, Halle C01
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Mit der Kunstausstellung 28 TAGE Dunkel (Ausstellungskonzept/-kuration Jürgen Meier) will das Licht + Dunkelheit Programm anlässlich des Unesco Year of Light 2015 thematische Bezüge zum Thema Licht transportieren und vermitteln. „28 Tage Dunkel“ betrachtet dabei die Renaissance der Kultur der Dunkelheit in Werken ausgewählter zeitgenössischer Künstler. „Wenn wir über Dunkelheit reden verstärken wir zugleich die Bedeutung von gutem und anspruchsvollem LICHT“ (Ruairí O’Brien). Gezeigt werden u.a. Arbeiten von: Bea Meyer, Ute Richter, Mischa Kuball, Joachim Blank, Famed, Klara Meinhardt, Ruairí O’Brien, Armand Lecouturier, Jürgen Meier, Yvon Chabrowski, Anna Vovan.


Licht + Dunkelheit Sponsorenabend
Mittwoch, 16.09.2015, 16.00 Uhr TapetenwerK Leipzig, Halle C01
mit .hess (Hess GmbH Licht + Form)


Licht + Dunkelheit Sponsorenabend
Donnerstag, 17.09.2015, 16.00 Uhr
Tapetenwerk Leipzig, Halle C01
mit ewo  (ewo GmbH„ewo realisiert hochwertige Lichtsysteme für öffentliche Räume.“


ABSCHLUSS
Freitag, 18.09.2015, 19.00 Uhr, Tapetenwerk Leipzig, Halle C1
mit Symposium/Gesprächsabend „Licht+Dunkelheit“ und
Finissage der Kunstausstellung
„28 Tage Dunkel“
Feierlicher Abschluss und Höhepunkt des Programms „Licht+Dunkelheit“ mit  Symposium/Podiumsgespräch „Licht+Dunkelheit“ und Finissage der Kunstausstellung „28 Tage Dunkel“Der Gesprächsabend Licht+Dunkelheit möchte die Bedeutung von Licht und Nicht-Licht im öffentlichen Raum und den Bezug von Licht und Architektur diskutieren. Gleichzeitig ist dieser Abend auch die Finissage der Kunstausstellung 28 Tage Dunkel und bildet den Abschluss und Höhepunkt des gleichnamigen Programms. Podiumsgäste sind:
o Jürgen Meier (Lichtkünstler / Intendant Lichtfest Leipzig)
o Ingo Fischer, Vertreter öffentlicher Bauherr (SIB), Architektenkammer Sachsen /Kammergruppe Leipzig
o Hannes Wohlgemuth (Vorstand ewo srl/GmbH, Leuchten/Lichtsysteme, Südtirol, Italien)
o Ruairí O’Brien (Freier Architekt/Lighting Designer/Künstler, Vorstand Architektenkammer Sachsen)
Organisation:
Mobile School of Lighting Design – http://www.mobileschool-lightingdesign.com 
Konzept/Veranstalter:
Ruairí O’Brien. Architektur. Licht. Raumkkunst.
Antonstr. 1, 01097 Dresden, Tel. 0351 8 99 68 88, E-Mail: office@ruairiobrien.de, www.ruairiobrien.de
 UNESCO + MSLD web
„Licht + Dunkelheit“ wird unterstützt von folgenden Sponsoren und Partnern:
    http://www.ewo.com
    http://www.hess.eu
    http://www.archevolucio.com
  http://www.aksachsen.org
     Bund Bildender Künstler Leipzig –  http://www.bbkl.org
     Jürgen Meier http://www.jürgenmeier.de
     http://www.tapetenwerk.de